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Times Mager Der Literaturnobelpreis, ein Totalausfall

Es war Buchmesse und Frankfurt war nicht nur ein Babylon. Aber auch.

December 28 2016 Stockholm Sweden Illustration of the Alfred Nobel Museum in Stockholm Swede
Der Literaturnobelpreis - ein Totalausfall. Foto: Imago

Auf den öffentlichen Nahverkehrsstrecken rund um Frankfurts Messe blieben in den letzten Tagen viele Fragen offen. Und nicht nur rund um Frankfurts Hauptbahnhof verstand man gelegentlich bloß Babylon – nein, die Reise ging nicht hinein in das Berlin der 1920er Jahre, sondern durch ein gewisses Sprachgewirr hindurch. Buchmessezeit.

Ist jetzt aber, so schnell kann’s gehen, auch schon Geschichte. Und ist, rückblickend, ein Ereignis in Erinnerung geblieben? Der Literaturnobelpreis - ein Totalausfall. Zündete deswegen immerhin kompensatorisch eine Party? Auf tausende war man eingeladen worden; aber die, die wirklich angesagt gewesen wären, mussten abgesagt werden. Kein Babylon in Frankfurt bis tief in die Nacht.

Harte Hunde werden der Sache sicherlich in einigen Jahren nachgehen (wenn es denn unter den Drehbuchautoren noch harte Hunde gibt). Werden der ARD, wenn es die ARD noch gibt, eine solche Serie anbieten. Oder werden die Autoren direkt beim Sender Sky vorsprechen (sollte es den Sender Sky noch geben)?

Bleiben Sie bloß dran

Schnitt jetzt. Drehbuchautoren, das immerhin lässt sich mit Gewissheit sagen, lernen, den Cliffhanger einzusetzen. Das ist die Stelle im Film, wo eine Szene ganz gezielt abgebrochen wird, um den Zuschauer im Unklaren zu lassen, wie die Szene, die es soeben noch zweifellos gab, überhaupt weitergeht. Unausgesprochen steht im Raum die Aufforderung: Bleiben Sie bloß dran!

Das elliptische Erzählen, die harten Hunde unter den Drehbuchautoren wissen auch das, geht in eine ähnliche Richtung. Der Zuschauer kennt das. Von einer Geschichte ist offenbar ein Stück Geschichte nicht miterzählt worden: Ein Mensch, blutend am Boden, dem Menschen wird schwarz vor Augen, dem Zuschauer auch. Eine Schwarzblende oder eine Weißblende, auf jeden Fall ein harter Schnitt. Dem Zuschauer wird milchglasig vor Augen, zusammen mit dem Menschen, der vor den Zuschaueraugen aufwacht, etwa in einem Krankenhaus.

Ungefähr so funktioniert’s, „Babylon Berlin“ arbeitet auch so, deswegen wirkt die Serie so ungemein frisch und dynamisch, obwohl das Erzählprinzip für ihn, den Zuschauer, überhaupt nicht neu ist. Kein ARD-Abend, an dem sich der Zuschauer nicht fragt, wie der am Boden liegende Mensch ins Krankenhaus kam.

Harter Schnitt jetzt. Dass in zwölf Monaten auch der Literaturnobelpreis wieder auf die Beine gekommen sein wird – eine Herausforderung an das elliptische Erzählen. Zudem ist die Buchmesse seit gestern Abend ein irrer Cliffhanger. Wir bleiben dran. Und setzen, hart wie wir drauf sind, im Oktober 2019 wieder wie neu an.

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