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Times mager Dembelieren

Verben können ungemein flexibel sein und sich gut auf Eigennamen einstellen. Da muss man von Spiel zu Spiel denken.

DEMBELE
Der Namensgeber: Ousmane Dembele, Trickser, Täuscher. Foto: AFP

Müllern, liebe Feuilletonleser, war so ein Wort, eines mit einer Riesenperspektive. Ein Wort, das von der Straße kam. Oder eher vom Boulevard? Wie auch immer, auf jeden Fall war es eine ungemeine Bereicherung für den Wortschatz der Siebzigerjahre, auch wenn damals ältere Menschen darauf beharrten, dass das Verbum „müllern“ bereits Jahrzehnte zuvor im Umlauf gewesen sei, abgeleitet von dem dänischen Gymnastiklehrer Jorgen Peter Müller (1866–1938), so viel bedeutend wie: Gymnastik treiben.

Wie dehnbar die Bedeutung war, zeigt sich daran, dass das Wort „müllern“ im Deutschland der Siebzigerjahre wegen des Fußballmittelstürmers Gerd Müller umging, weil dieser es sich nicht nehmen ließ, ein Tor nach dem anderen zu schießen, unnachahmlich. Es war dem „Müllern“ durch noch so viele Gegenspieler nicht beizukommen.

Dembélé trickst und täuscht

Liebe Fußballfreunde: Auch Verben können ungemein flexibel sein und sich gut auf Eigennamen einstellen. Denken wir nur an das Wort boykottieren, das auf Charles C. Boykott zurückgeht, einen ausgewiesenen Menschenbetrüger. Ein Wort wie riestern schwächelte zuletzt enorm, dagegen wird kärchern weiterhin eine große Zukunft prophezeit. Auch Adjektive, abgeleitet von Riesennamen, wollen nicht abseits stehen, darunter: kafkaesk. Ein Wort, das ein ungeheures Potenzial hat.

Ja, liebe Fußballfreunde, man sollte immer von Spiel zu Spiel denken und vielleicht auch von Wort zu Wort, denn das nächste ist häufig das schwerste. Neben dem Denken ist vor allem das Nachdenkliche oft eine Nummer zu groß. Dass man es nicht erzwingen kann, unterstrich jetzt erneut der Fußballprofi Ousmane Dembélé, als er sich zu seinem Trainingsboykott in Dortmund äußerte. Zu seinem Vertragsbruch, mit dem er den Wechsel zum FC Barcelona erzwang, sagte er: „Ich wusste, dass ich Geduld haben musste!“

Liebe Fußballfreunde, schön, dass sie so zahlreich beim Times mager dabei sind. Tricksen, täuschen, das hat der Straßenfußballer Dembélé immer wieder auf dem Spielfeld gezeigt. Jetzt wollte der Vollprofi mit seinen Qualitäten auch im berühmten Umfeld nicht schwächeln. Hat also den Vertrag gebrochen und anschließend schwindelerregend darüber geredet.

Liebe Fußballfreunde, zusehen durften wir dem Dembelieren. Ein Wort, ich wiederhole mich gerne, mit einer Riesenperspektive. Wird dem Wortschatz gut tun, wird für ihn eine absolute Bereicherung sein, keine Frage. Dembelieren! Ein Tätigkeitswort, an dem wir noch viel Freude haben werden.

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