Lade Inhalte...

Times mager Dead Tuna

In einer gewissen fränkischen Stadt gehört zu einer Entenfamilie auch eine Gans und niemand muss nüchtern sein.

Ente
Mama Ente las zum Einschlafen immer die lehrreiche Geschichte vor, Sie wissen schon. Foto: Imago

Heute: eine kurze Reise mit Hindernissen, die in den nahen Südosten führt. Und wohin sowas führt.

Im nahen Südosten erlebt der Mensch die dollsten Dinger, wird reich beschenkt, trifft Weltrekordler, erlebt quakende Patchworkfamilien und das tausend Jahre alte Gewand der heiligen Kunigunde. Aber erst mal muss der Mensch ja dort hinkommen.

Dazu steigt der Mensch beispielsweise in ein kleines Auto, wenn er kann. Sollte die Fernbedienung, mit der heutzutage selbst kleinste und in nächster Nähe stehende Fahrzeuge geöffnet werden, jedoch eine leere Batterie aufweisen, exakt in dem Moment, in dem sie losgehen soll, die wilde Fahrt, dann kann er nicht. Dann springt das ganze kleine Auto nicht an. Wegfahrsperre, hat der Mensch irgendwo gelesen.

Guinness-Buch. Welche Disziplin? Weiß keiner

Bedauerlich wäre es, endete die Reise an diesem Punkt. Niemand würde außerhalb einer gewissen kreisfreien fränkischen Stadt von der Entenfamilie erfahren, die sich jeden Tag zur gleichen Zeit vor dem großen Gebäude mit den vergitterten Fenstern einfindet. Zu der Entenfamilie zählen fünf Personen, darunter eine weiße Gans, die dreimal so groß ist wie der Rest der coolen Gang und vermutlich einst ein verirrtes Ei im fremden Gelege war. Mama Ente las zum Einschlafen immer die lehrreiche Geschichte vor, Sie wissen schon. Aus dem großen Gittergebäude werden mittags ganze Brotscheiben in den Fluss geworfen. Es handelt sich um die örtliche Justizvollzugsanstalt, im Volksmund: „Café Sandbad“.

In der Altstadt tritt abends im „Live-Club“ die Band Dead Tuna auf, deren Gitarrist angeblich als Weltrekordhalter im Guinness-Buch steht. Welche Disziplin? Weiß keiner. Um fünf vor zehn spielt die Band vor sieben Zuschauern. Um zwei vor zehn ist der Laden überfüllt. Ab zehn kostet der Abend im „Live-Club“ Eintritt. Ab zehn gibt es Bier zum halben Preis. Nach zehn stellt sich heraus: Der Gitarrist, ein Amerikaner, der in Immenstadt lebt, hat 2012 binnen 24 Stunden in neun verschiedenen Ländern konzertiert, von Luxemburg bis Österreich. Um halb elf steht ein Volltrunkener auf der Bühne und plärrt ins Mikrofon. Der Mundharmonikaspieler verlässt seinen Platz und fordert den Barkeeper auf, den Volltrunkenen zu entfernen. Der Barkeeper zögert, dann geht er doch hin und zerrt den Mann weg. Auf dem T-Shirt des Barkeepers steht „Niemand muss nüchtern sein“.

Aber um das alles zu erleben, müsste man ja erst mal hinkommen. Ob das geklappt hat, erfahren Sie, genau wie die Sache mit den Geschenken, der hlg. Kunigunde und dem Haupt des hlg. Dionysius, nächste Woche, gleiche Stelle, gleiche Welle.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen