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Times mager Datenkram

„Gute Nacht, Mr Zuckerberg.“ „Gute Nacht, VornameNachname.“

Katze
Wie bitte, Daten? Von mir nicht. Nur die wichtigsten natürlich - und die gibt’s im Halsband. Foto: Imago

Als die Daten laufen lernten, als sie systemrelevant wurden, als man merkte, dass Daten die Welt beherrschen, war das Kind längst in den Brunnen gefallen. Oder sagen wir: hatte sich in den Brunnen geplappert. Sobald das Kind nämlich damals sprechen und sich etwas merken konnte, gab es stets in vollständigen Datensätzen Auskunft.

Erwachsener: „Na, Kleiner, wer bist denn du?“

Kind: „VornameNachnameStraßeHausnummerPostleitzahlWohnortTelefonnummer.“

Erw.: „Und wie alt bist du?“

Kind: „EinstelligeZahl.“

Erw.: „Wann hast du Geburtstag?“

Kind: „TagMonatJahr.“

Erw.: „Dann noch einen schönen Tag, VornameNachname!“

Kind: „Ebenso, Mr Zuckerberg.“

Nein, Herr Zuckerberg war damals natürlich noch nicht geboren. Und der Stolz darauf, sich den ganzen Datenkram auswendig merken zu können, war noch ein unschuldiger Spaß. Heute würden verantwortungsvolle Eltern dem Kinde schnell austreiben, all seine (und ihre) persönlichen Angaben hinauszukrähen. Auch die Katze hat nur noch das Nötigste bei sich im Halsband.

Sensibilisiert für den Datenschutz wurde der Mensch durch das Internet, das seine Daten aufschlörcht wie ein Industriestaubsauger. Einmal den falschen Spamlink geklickt – für den Rest des Lebens Damenwäschewerbung am Rand des Fußball-Tippspiels. Wer seine Kreditkartennummer nicht freimütig ins Netz tippt, muss mit den paar Apps auskommen, die das Smartphone serienmäßig bei sich hat.

Und damit zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die in diesen Wochen für ca. 170 Prozent des Mailverkehrs in diesem unserem Lande sorgt und den Datenaustausch künftig total sicher macht. (Hier: Pause, in der man sich mit immer stärker hervorquellenden Augen anschaut und dann brüllend loslacht.)

Dank DSGVO erhält der Internet-Nutzer nun alle Newsletter, die er nie hatte. Findige Newsletterschreiber schicken einfach das gängige Formular an die gesamte Bevölkerung. Zugleich müssen alle einvernehmlich eingegangenen Online-Verbindungen quasi vor dem Gesetz legitimiert werden (kirchlicher Segen: optional).

Verblüffend nur, dass die Formulare und aktualisierten AGB von allen und jedem eintrafen, nur nicht von diesem Immobilienmarktplatz im Internet. Dort muss ich mich als Suchender bekanntlich nackt ausziehen und meinen Namen tanzen, um auch nur auf eine Wohnungsanzeige antworten zu dürfen, während ich vom Vermieter nichts (in Worten: nichts) erfahre. Wenn’s drauf ankommt, ist Datenschutz offenbar weiterhin ein Einbahnkabel.

„Gute Nacht, Mr Zuckerberg.“

„Gute Nacht, VornameNachname.“

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