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Times mager Boykott der Putin-Heimspiele

Auch diesen WM-Abend, an dem die russische Elf spielte, galt es zu überbrücken. Es bot sich ein historisches Match an.

Lew Jaschin
Endlich wieder Fußball gucken: Lew Jaschin bei einer Parade im Halbfinale Deutschland gegen Sowjetunion - im Juli 1966 in Liverpool. Foto: imago

Gestern konnte der Fan nicht mehr hinsehen wie an all den WM-Tagen bisher, an denen der WM-Fernseher schwarz blieb. Schwarz wegen der Putin-Heimspiele, aber auch wegen der Auswärtsspiele dieses lupenreinen Helden, etwa in Syrien.

Es musste also etwas geschehen – und so rollte, endlich, wieder der Ball, wahrhaftig ein rundes Leder. Drei Dinge wollte der Reporter festgehalten wissen. Dass man das historische Match „mit brennendem Herzen“ verfolge. Dass man „alle verfügbaren Daumen“ drücke. Dass, was das Ergebnis angehe, „kein guter Gedanke zu wenig angebracht“ sei. Über dieses Tripple fand der Reporter zu seinem Spiel.

Es waren große Worte, stand doch gestern noch einmal der Einzug ins Finale auf dem Spiel, wodurch zwei Fußballhelden aufeinandertrafen, die bald auch schon heftig zusammenprallten: „Uwe stürzt über Jaschin, hat nicht zugeschlagen, und da entschuldigt sich Jaschin bei Uwe Seeler, er sagt, es war nicht so schlimm.“

Der Gefoulte entschuldigt sich - warum auch immer. Auch erweist sich der Reporter als ein Augenzeuge mit einem Ohr mitten im Getümmel, seltsam. Nicht zuletzt als ein Zeitzeuge mit den alten Wörtern, denjenigen von den Schlachtfeldern im Ohr, schrecklich.

Da, spätestens, weiß der Fußballfan, dass er sich im Juli 1966 wiederfindet, in Liverpools Goodison Park, beim Halbfinale Deutschland gegen Sowjetunion, mit Jaschin, der Nr.1, 37 Jahre alt. Für den Berichterstatter ist der weltbeste Torhüter sogar zu Schwarzweißbildzeiten die Respektsperson schlechthin. Auffällig aber auch, denn „elegant ist der Franz aus München“, der 20-jährige Beckenbauer.

Dessen Aufgabe war es, das Mittelfeld zu „überbrücken“, so ist es nicht zu übersehen, während der Fan mit einer DVD auch diesen Russland-WM-Abend zu überbrücken versucht. Man sollte nicht glauben, dass das den Fan glücklich machte, und der Fan selbst glaubt es auch nicht – zumal mit einem Mal auf dem historischen Material nicht nur die Spieler von links nach rechts laufen. Gut zu erkennen, ganz plötzlich, Wörter. Wie auf einem Laufband. Nicht doch, 1966?

„Ein mieser Deal“, so liest der Fan: „Das Weiße Haus hat sich offenbar vor dem US-amerikanisch-russischen Gipfel in Helsinki am 16. Juli – einen Tag nach dem WM-Endspiel in Russland – entschlossen, Wladimir Putin und Diktator Bashar al-Assad militärisch endgültig das Feld zu überlassen.“

Die Einblendung bloß Einbildung? Auf jeden Fall handelt es sich bei den Worten um den FR-Leitartikel vom Freitag. Denn der Fußballballfan, der natürlich ein FR-Anhänger ist, kann sich auf seine Ablenkung noch so viel einbilden, es gibt kein Entrinnen. Putin holt ihn überall ein, den Fan lässig daheim, Syriens Bevölkerung auswärts. Das ist dann der lupenreine Horror.

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