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Times mager Binde-Strich

Komisch wäre es schon, sagte K., so zu tun, als gäbe es Ohrenärzte für Halsnasen, die es ja nicht gebe. Heute: Diffiziles über Bindestrich-Fragen.

Ist die Grippe-Schutzimpfung sinnvoller als die Grippeschutz-Impfung? Foto: Imago

Sie müsse, erzählte eine Kollegin, kurz mal rasch zur Grippe-Schutzimpfung, und unter den Zurückbleibenden entstand die Frage nach dem Sinn. Nicht dem Sinn der Impfung, sondern demjenigen des Wortes. Und nach dem eigentlich auch nicht. Sondern dem der Schreibweise.

Schriebe man, so beckmesserte der Kollege S., statt Grippe-Schutzimpfung Grippeschutz-Impfung – würde sich die Bedeutung dann wandeln? Könnte die eine Schreibweise bedeuten, dass die Impfung uns vor Grippe schützt, was ja wohl der Absicht entspreche, die andere aber, dass durch die Impfung im Gegenteil die Grippe geschützt werde, was am Ende niemandem diene?

Und was, fuhr S. fort, sei mit „Grippeschutzimpfung“ oder gar „Grippe-Schutz-Impfung“? Versöhne nicht erst die gerechte Verteilung von Bindestrichen beziehungsweise der vollständige Verzicht auf dieselben die ansonsten in eine ungesunde Hierarchie gepressten Wortbestandteile?

Wortbestand-Teile?

Wort-Bestandteile, notierte daraufhin der Kollege T. auf dem Flipboard und gleich darunter: Wortbestand-Teile. Nicht ohne zu erläutern, dass die erste Schreibweise tatsächlich Bestandteile einzelner Wörter zu bezeichnen scheine, die andere dagegen Teile des gesamten Wortbestandes, also im Zweifel sehr viele Wörter. Allerdings seien beide Schreibweisen falsch, anders zum Beispiel als beim Hals-Nasen-Ohrenarzt, bei dem allerdings dem Ohr eine übermäßige Bedeutung zukomme, wenn man ihn nicht Hals-Nasen-Ohren-Arzt schreibe oder Halsnasenohrenarzt.

Oder, ergänzte der Kollege K., wegen seines kurz bevorstehenden Witzes bereits grinsend, Halsnasen-Ohrenarzt. Das sei noch nicht der Witz, warf K. dazwischen, aber komisch wäre es schon, so zu tun, als gäbe es Ohrenärzte für Halsnasen, die es ja auch nicht gebe.

Ganz anders, fügte nun endlich der Kollege K. hinzu, verhalte es sich mit folgendem Witz: „Was macht Pinocchio, wenn er erkältet ist? Er geht zum Holznasen-Ohrenarzt.“ Hier nun ergebe die Schreibweise Holznasen-Ohrenarzt immerhin einen gewissen Sinn, handele es sich doch offenbar zwar um einen Ohren-, aber immerhin um den richtigen Arzt für das in Rede stehende Material, also Holz. Nicht so beim Hals.

Es komme hinzu, konnte sich K. nicht mehr bremsen, dass Holz-Nasen-Ohren-Arzt gar nicht gehe, weil ein Arzt, der einerseits für ein bestimmtes Material und andererseits für zwei oder drei Körperteile zuständig wäre, schlicht unvorstellbar sei. Außerdem schreibe man auch nicht Holz-Fällerhemd, wenn das Hemd aus Baumwolle sei.

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