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Times mager Berlusconi

Berlusconi ante portas? Der Mann war ja nie wirklich weg.

Silvio Berlusconi
Seine Mentalität hat die politische Kultur Italiens durchdrungen: Silvio Berlusconi. Foto: rtr

Der Blick nach Italien war aus dem Blickwinkel des Nordens gerne heiter, verharrte, hinweg über die Alpen, aber auch an der Oberfläche. Viel Verehrung dabei, aber auch Verklärung. Seit drei Jahrzehnten hat sich ein mildes Italienbild allerdings stark verändert. Das hatte unbedingt zu tun mit ihm, und jetzt heißt es: „Er ist wieder da. Viele Italiener hoffen erneut auf Silvio Berlusconi“.

Auf diese irrsinnige Hoffnung macht in diesen Wochen Roberto Saviano aufmerksam. Der Journalist und Schriftsteller, den die neapolitanische Camorra auf ihren Mordlisten führt, ist in Deutschland unterwegs, um sein gemeinsam mit Giovanni di Lorenzo entstandenes Buch „Erklär mir Italien!“ vorzustellen. Jetzt hat Saviano in der „Zeit“ sein Land ein weiteres Mal sarkastisch zur Avantgarde erklärt: „Wer heute nach Italien blickt, sieht die Zukunft Europas.“

Berlusconi ante portas? Der Mann war ja nie wirklich weg, trotz rechtskräftiger Verurteilung und eines zweijährigen Verbots, politische Ämter auszuüben. Denn die Berlusconi-Mentalität hat die politische Kultur Italiens durchdrungen. Die Hoffnung vieler Italiener gilt ihm – „nicht trotz einer Schrankenlosigkeit und seiner Betrügereien, sondern gerade deswegen“ (Saviano).

Berlusconi verkörpert das Land nicht nur, weil er vier Mal Ministerpräsident war, übergangsweise mehrfach Minister, er tut das erst recht, weil er annähernd 90 Prozent der Fernsehprogramme kontrollierte. Obendrein hat er dem Land, in dem „Gesetze als Betrug und Gängelei“ empfunden werden, die Botschaft vermacht, dass Gesetze, um des persönlichen Vorteils willen, gebeugt oder zurechtgebogen werden müssen.

„Er ist wieder da.“ Denn er ist als „Nationalheld“ unvergessen, für ein Leben nach eigenen Regeln, als „Identifikationsfigur“, in seinem Ressentiment gegen den Staat. Zudem drängt mit Berlusconi der Typus des Geschäftsmanns auf die politische Bühne zurück, der Politik schamlos als Geschäft betreibt. Staatsgeschäfte. Exekutiert von einem „business president“, und daraus kann man schlussfolgern, dass Berlusconi nicht etwa aus Verlegenheit an das Geschäftsmodell Donald Trumps anknüpft, bewahre! Vielmehr, als dessen Vorläufer, will es der 81-Jährige noch einmal wissen. Er, das Vorbild, der Pionier der Verachtung der Gesetze. Der Vorbote der vulgären Verächtlichmachung der Demokratie ist auf seine Weise ein Wiedergänger. Und nicht etwa nur sein eigener. Zur Avantgarde gehört auch, was desillusionierte Italienkenner als „Wiederkehr des Duce als Farce“ (Claus Leggewie) bezeichnet haben.

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