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Times mager Baustelle ist kein Spaß

Die Bettdecke bietet keinen Schutz gegen böse Geister. Auch nicht gegen Baulärm. Obwohl es hoch hergeht, kommt keine Partystimmung auf.

Bauarbeiten
Niemand wohnt gerne neben einer Baustelle. Foto: Lino Mirgeler (dpa)

Gelegentlich gibt es Anlässe, da möchte der Mensch die Bettdecke über den Kopf ziehen, und deswegen muss die Person kein Sensibelchen sein. Es soll hier nicht vertieft werden, dass der sensible Mensch natürlich viel zu feinfühlig ist, um nicht zu wissen, dass eine Bettdecke keinen Schutz bietet. Nicht gegen böse Mächte, nicht gegen die Gartenparty bis in die Puppen. Nicht gegen die Baustelle, ebenfalls nebenan, werktags, von morgens um halb acht an.

Es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, dass das Bett ein ungestörter Ort sein muss. Unverletzlich ist nur die Wohnung, die, wenn sie direkt an eine Baustelle anrainert, deutlich macht, dass eine Baustelle kein Spaß ist, halt etwas ohne Partystimmung, obwohl es hoch hergeht. Es bleibt dann nicht verborgen, dass die eigenen vier Wände eine ihrer fundamentalen Funktionen verlieren, nämlich auch so etwas wie eine Gehäuse zu sein. Wenn dann noch eine weitere Primärfunktion hinzukommt, dass eigene Wände nur wenig sind ohne eine Decke über dem Kopf (eine aus Beton oder Holz), dann kann man schon mal ins Grübeln kommen.

Zum Grübeln gehört, ganz natürlich, der klare Gedanke. Eben der, dass der Mensch nicht als Wohnungsbewohner oder Hausbewohner auf diese Welt gekommen ist, ganz und gar nicht. Die Evolutionsgeschichte weiß da ganz andere Dinge zu berichten. Der Urmensch war kein Stubenhocker, er war ein Nomade. Anthropologisch hochinteressant!

Baulärm? Muss der Mensch aushalten. Die Rechtsprechung hat sogar Verständnis für werktags wackelnde Wände. Praktisch während der Bürozeiten, die eine Baustelle hat. So lernt der Mensch als Anrainer einer Baustelle, wie Baulärm etwas von Dämonen hat – aber doch kein Spuk sind, der durch Mauern und Wände geht, einfach so.

Die deutsche Rechtsprechung denkt zu alldem anthropologisch. Der Mensch ist nun mal ein äußerst anpassungsfähiges Wesen. Muss er durch. Deshalb denkt der Mensch: Wie wäre es, wenn er mal wieder zeltete? Warum soll der Sommer nicht zum Zeltsommer werden? Zelte, wie früher, ganz früher, als der Höhlenmensch daranging, sich zum Zeltmenschen auszumendeln.

Die Baustelle darf als Allegorie des unruhigen Menschen verstanden werden. Ja, als Apotheose, als letzter Zweck seiner Existenz. Immerzu bohrt der Mensch gerne dicke Bretter. Daraus besteht sein Leben. Dass die Wände wackeln. So macht er es schon seit Jahrhunderttausenden. Auch kam die Zeit, da wollte er nur noch die Wände hochgehen.

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