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Times mager Autorin

Die Probleme und Herausforderungen, das ist klar, lassen nicht nach, nur weil man Autorin geworden ist.

Lesung
Blick ins Publikum einer Lesung - wer ist Autor und wer nicht? Foto: imago

Am Eingang für eine Autorin gehalten zu werden, sogar ziemlich penetrant und nebst fahrigem Blättern im Heft, in dem jeder mit Bild zu sehen ist, führt unweigerlich zu der Frage, weshalb man keine Autorin ist. Der Hauptgrund liegt darin, dass man keinen literarischen Text vorzuweisen hat. Das klingt läppischer, als es ist. 

Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt haben die einen einen literarischen Text vorzuweisen, die anderen Meinungen, Leseerfahrungen, Tipps für junge Autoren und so. Damit ist weniger die Jury gemeint, die allerdings ganz zweifellos Meinungen, Leseerfahrungen, Tipps für junge Autoren und so hat (und zu haben hat), als das Publikum, dessen Meinungen, Leseerfahrungen, Tipps für junge Autoren und so einen wabernden Teppich in jeder lesungsfreien Minute ergeben.

Es ist einerseits schön und stimmt optimistisch, all die Erwachsenen, aufgrund der Lesungsuhrzeiten zumeist älteren Herrschaften, die sich gerne mitreißen lassen von einer Geschichte und auch einer Jury und anschließend selbst Noten verteilen. Wenn man diesem Teppich andererseits längere Zeit ausgesetzt ist – in eine Ecke geraten ist, in der die Meinungen, Leseerfahrungen, Tipps für junge Autoren und so ein gerüttelt Maß erreicht haben –, dann geniert man sich womöglich ein bisschen, es selbst ja auch nie versucht zu haben. Mag es noch so verunglückt sein, es ist ein literarischer Text von zehn bis fünfzehn Seiten geworden (Bodo Kirchhoff erzählt soeben in „Dämmer und Aufruhr“, wie er anfangs mit Mühe und Not auf drei bis fünf Seiten kam).

Zu diesem Schwenk kommt es in Klagenfurt aber nicht immer. Gelegentlich tritt das Gegenteil ein. Es läuft dann auf den Eindruck hinaus, dass nicht jeder Mensch auf der Welt einen literarischen Text herstellen muss, nicht auf Teufel komm raus, nicht, wenn er gar nichts weiter zu sagen hat und auch keine Form dafür. Nur dass auch das eine Arbeit und Mühe gewesen ist. Selbst wenn es langweilig wird in Klagenfurt, wird es übrigens nie langweilig. Immer könnte als Nächstes ein Wunder geschehen, und wenn nicht, hat vielleicht die Jurorin Nora Gomringer ein neues lustiges T-Shirt an. 

Auch gibt es die – dem Publikum auf 3Sat und im Netz ebenfalls zugänglichen – kleinen Filmbeiträge vor den Lesungen, deren Herstellung heute überwiegend in Eigenregie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vonstatten geht. An Literaturinstituten muss das längst ein eigenes Fach sein. Hier sind Eigensinn und Atmo die halbe Miete. Eine Autorin stellte sich jetzt schon einmal als Büchnerpreisträgerin des Jahres 2099 vor. Die Probleme und Herausforderungen, das ist klar, lassen nicht nach, nur weil man Autorin geworden ist.

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