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Times mager Auto

Sie wissen nicht mehr, wo Ihr Wagen steht? Wir können es Ihnen sagen.

Stau
Die S-Bahn ist immer unpünktlich - da steht man lieber mit dem Auto im Stau. Foto: imago

Wenn Sie gestern Abend geparkt haben und jetzt Ihr Auto suchen: Das Times mager hilft. Schauen Sie in Ihrem Stammhirn nach, da sitzt es. Schon der Verkehrswissenschaftler Hermann Knoflacher bemerkte zum Thema Autofahren: „Es ist auch eine Sucht, aber es ist schlimmer als die üblichen Süchte. Das Auto sitzt viel tiefer im Stammhirn.“

Nein, natürlich nicht bei Ihnen. Sie wohnen draußen, die S-Bahn ist immer unpünktlich, Sie müssen pendeln, das Times mager weiß, wovon Sie reden. Sie sind auch keine von den SUV-Muttis, die zweimal täglich, fast unsichtbar in ihren riesigen Dieselpanzern, die Landluft rund um die Privatschule verpesten, um ihre verzogenen Heranwachsenden auf dem Weg vom und in den gut durchlüfteten Vordertaunus vor dem Betreten von Bussen und Bahnen zu schützen.

Nein, Sie sind einer von den Guten unter den Bösen. Sie sind sogar besser als die Bösen unter den Guten. Die Bösen unter den Guten, das sind die Radler, über die sich die Fußgänger so aufregen wie die Radler über die Autofahrer.

Im Kaffeehaus lässt sich das Phänomen regelmäßig studieren, wenn sich Fußgänger mit Radfahrern streiten. Da wird erbittert um die Frage gerungen, ob es einem braven Fußgänger zuzumuten sei, vor dem Überqueren einer Einbahnstraße sowohl nach rechts als auch nach links zu blicken, weil Radfahrer auf der Einbahnstraße in beide Richtungen fahren dürfen.

Und ob Sie es glauben oder nicht: Da ist der Fußgänger dem Autofahrer im Geiste näher als dem Radfahrer, denn der Autofahrer mag Einbahnstraßen, auf denen ihm Radfahrer entgegenkommen, ebenfalls nicht. Fußgänger allerdings auch nicht.

Im Kaffeehaus kehrt immer dann wieder Frieden ein, wenn alle gemeinsam sich über Autofahrer erregen. Das ist natürlich unfair Ihnen gegenüber, denn Sie pendeln aus reiner Vernunft, und Sie pendeln so vernünftig, dass sich die Fußgänger und Radfahrer bei Ihnen noch etwas abschauen könnten.

Was Sie allerdings so gar nicht leiden können, ist dies: Irgendwo da draußen muss es eine Geheimarmee von limousinenbewaffneten Rentnern geben, die wie auf Kommando genau zum Beginn der Ferien aus ihren Verstecken kommen und ihre überdimensionierten Fahrzeuge besteigen. Und Sie erwischen sich dabei, wie Sie sich nach dem Ferienende und den SUV-Muttis sehnen. Die halten sich wenigstens nicht dauernd an die Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Wo war noch mal Ihr Auto? Professor Knoflacher hilft: „Das Auto findet ja ganz tief im Unterbewusstsein auf der ältesten Schicht des Menschseins oder überhaupt der Lebewesen statt. Dort sitzt das Auto.“

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