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Times mager Ausschluss

Der Booker Prize steckt im Preisdilemma, seit er sich für amerikanische Autoren öffnete. Ist es gut, das wieder rückgängig zu machen?

Paul Auster
Paul Auster spricht mit einem Fan. Foto: rtr

Ganz interessant ist auch ein Brief, den britische Verleger an die Organisatoren des Man Booker Prize geschrieben haben und der jetzt kursiert, bevor er überhaupt offiziell abgeschickt wurde. So ist das heutzutage. Die Verlagsleute empfehlen, eine Neuregelung bei der Vergabe der wichtigen Literaturauszeichnung wieder zurückzunehmen: Seit 2014 sind neben britischen Einreichungen und solchen aus dem Commonwealth auch US-amerikanische Bewerbungen erlaubt.

Gedacht gewesen sei das als Öffnung und Globalisierung des Preises, sagen die Verleger, als Anpassung an Realitäten, in denen, sagen wir, ein Wort wie Commonwealth urig wirkt. Tatsächlich, so wieder die Verleger, verenge es aber den Blick, nämlich hin zur übermächtigen angloamerikanischen Literatur.

Da ist etwas dran, aber was genau? Unter den vier Preisträgern seit 2014 waren ein Australier und ein Jamaikaner (beide Commonwealth) und zuletzt zwei US-Amerikaner. Das ist eine unauffällig wirkende Quote. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Auszeichnung – an deren Form sich seinerzeit der ebenfalls marktorientierte Deutsche Buchpreis anlehnte – dadurch gewonnen hat. Wird ein in London vergebener Preis dadurch interessanter, dass womöglich vielbeachtete amerikanische Titel auch hier noch einmal groß herauskommen? Nein. Man vergrößert das übliche Preis-Dilemma, dass niemals nie eine Auszeichnung allen Ernstes das beste oder wenigstens wichtigste Buch des Jahres erhaschen kann. Sind die Jurys daran Schuld? Nein. Was sollte denn das für ein Wunderbuch sein? Auch wollen Juroren das Publikum nicht zu Tode langweilen. So versuchten sie auch 2017, die Sache überraschender zu gestalten, indem das extrem gute und wichtige Opus Magnum von Paul Auster („4 3 2 1“, USA) auf der Shortlist stand, dann aber nicht gewann. Bizarr.

Man sucht das Große und dann will man doch originell sein und hat sogar recht damit. Begrenzungen dienen also der Blickerweiterung, damit war nicht unbedingt zu rechnen.

Ganz interessant ist auch, dass in Chemnitz ein neuer Wagner-„Ring“ begonnen hat, und zwar eine Produktion, für die allein Regisseurinnen engagiert wurden. Lesen Sie dazu, äh, aus technischen Gründen morgen mehr.

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