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Times Mager Alle Jahre

Immer wieder Weihnachtsfeiern. Hat jemand zugenommen, abgenommen?

Nikoläuse und Weihnachtsmänner
Nikoläuse und Weihnachtsmänner, geschult. Hier in Dresden. Foto: dpa

Ist die Weihnachtsfeier schon einmal so schnell gekommen – und gleich auch wieder vorbei gewesen? Das täuscht, sagt einer, und lacht zum Abschied. Bis nächstes Jahr. Hoffentlich. 

In den Stunden zuvor – bei Sekt und dann Mineralwasser, des Heimfahrens wegen, schließlich sind wir seit längerem raus aus den risikobereiten Lebensjahren, als auch wir uns für unsterblich hielten – haben wir uns vergewissert. Unserer selbst. Einzeln und als Gruppe. Allemal waren wir bereit, das Positive nicht nur zu entdecken, sondern auch zu erwähnen, gern auch mehrfach. Zum Beispiel, dass es schön ist, dass mehr Leute zur Feier gekommen sind als 2017, dass das doch ein gutes Zeichen sein muss. Zwar kann keiner sagen, was daran das gute Zeichen ist. Obwohl, vielleicht dies: Es gibt uns noch in erklecklicher Zahl, immerhin. Es sind Neue hinzugekommen. Es kann bereits geredet werden über 2019er-Pläne für die Gruppe, oh ja.     

Und jedenfalls sehen die allermeisten aus wie im letzten Jahr. (Was freilich, siehe oben, auch daran liegen könnte, dass dieses Jahr zwischen Weihnachtsfeier und Weihnachtsfeier so verdächtig kurz war. Möglicherweise hat man – man? – uns getäuscht und es hat nur aus sechs, sieben Monaten bestanden). Aber hat sich in dieser Zeit jemand entschieden, die künstliche Farbe aus den Haaren wachsen zu lassen, also zuzugeben, dass Kastanienbraun, Fuchsrot, Verführungsschwarz nicht mehr den Tatsachen entsprechen? Hat jemand zugenommen, abgenommen? Beides kann nur kommentiert werden, wenn es mit Absicht geschah. Bei wem ging es offensichtlich gesundheitlich abwärts – soll man fragen, soll man so tun, als fiele es einem nicht auf? 

Schon geht in der Runde die Rede von Krankheiten, großen und kleinen, schon sagt aber auch eine: Wir sollten ein Schweinderl aufstellen und jeder, der von Krankheiten spricht, muss fünf Euro reinstecken. Das „Schweinderl“ verankert uns in einer Zeit, als Familien vor dem Fernseher saßen und „Was bin ich?“ guckten. Und wenn eine Feel-Good-Managerin (Aufgabe: „Arbeit 4.0 in Unternehmen zu implementieren und eine menschzentrierte Arbeits- und Unternehmenskultur in Firmen zu schaffen“) oder ein Robotik-Ingenieur zu erraten gewesen wären, hätten wir gedacht, wir müssen auf dem Sofa eingeschlafen sein und schlecht geträumt haben. Etwa so, wie wir damals von Schulprüfungen mit absurden Fragen und leeren Blättern alpträumten. 

Apropos Blätter, apropos „O Tannenbaum“: Der jüngste Trend, so liest man, sind schwarze Weihnachtsbäume. Was für eine schöne Gelegenheit zu Kopfschütteln, vor allem aber zu stiller Befriedigung: Darüber, dass man raus ist aus dem Alter, in dem man über die mögliche Coolness und das Beeindruckungspotenzial eines schwarzen Baums nachgedacht hätte. Dafür ist man mehr denn je menschzentriert, was auch immer das heißt. 

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