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Times mager „Äh“ sagen

Im Umgang mit dem virtuellen Assistenten sind noch einige Fragen zu klären. Die Kolumne „Times mager“.

Friseursalon
Mit dem virtuellen Assistenten beim Friseur anrufen? Manchmal passiert Unvorhergesehenes. Foto: rtr

Im Tagesablauf der Zukunft (bei Bedarf auch nachts) wird dem Menschen von Roboterchen so zur Seite gestanden werden, dass er fast nichts mehr selbst tun muss – außer sich die fleischfreien Täubchen in den Mund fliegen zu lassen. Das ist okay, so lange er nicht seinen Termin mit dem Personal Koch-Trainer vergisst, der Grundkenntnisse in der Herstellung von Essbarem wegen. Denn kürzlich versagte sowohl die Taubenbrat-, als auch die Milch-und-Honig-Drink-Maschine ihren Dienst, unser Mensch nahm in dieser Zeit erschreckend ab. Bis er sich erinnerte, dass doch noch irgendwo der Flyer eines Pizzaservices rumliegen musste ...

Also gab er seinem virtuellen Assistenten den Auftrag, den Pizzaservice anzurufen und ihm eine Pizza mit allem zu bestellen. Das klappte fast. Dummerweise hatte Es (die Frage nach dem korrekten VA-Geschlecht muss aus Platzgründen ein andermal Thema sein) aber die Anweisung „und keine Anchovis“ wegen Nuschelns missverstanden als „und kleine Angies“ – und schon interessierte sich die Polizei für unseren Menschen.

Die Sache mit den virtuellen Assistenten, die mehr oder weniger das erledigen, was man ihnen aufträgt zu erledigen (in ungefähr der gleichen Zeit, die es dauern würde, den Anruf selbst zu tätigen), macht trotz kleiner Ärgernisse Fortschritte. Zum Beispiel kann man das dienstbare Ding bitten, beim Friseur anzurufen und einen Termin zu vereinbaren.

Als kürzlich die Firma Google ihren Assistenten vorstellte, hörte man eine weibliche Stimme die Friseuse nach einem Termin fragen. Die Friseuse muss nachsehen, die Stimme macht „mmm-mm“. Dann auch „äh“. Daraus darf geschlossen werden: „Äh“ sagen ist menschlich, weil ratlos bzw. Zeit schindend. Wer einem Menschen vorgaukeln will, dass auch die unbekannte Stimme am anderen Ende einem Menschen gehört, muss das „Äh“ berücksichtigen.

Noch nicht ausreichend getestet ist, wie viel Unvorhergesehenes dem VA passieren darf. Kürzlich war der Friseursalon unseres Vertrauens einige Tage nicht erreichbar. Reale Menschen gingen/radelten/fuhren auf realen Straßen/Bürgersteigen hin und vereinbarten persönlich einen Termin, der in ein großes Buch geschrieben wurde. Und alle nickten wissend, als das Wort „Telekom“ fiel, und machten „mmm-mm“.

Assi-Es würde vermutlich immer noch – ihm ist es schließlich egal, wie lange es dauert, es braucht zum Leben weder gebratene Tauben noch einen Friseur – mit der „Kein Anschluss unter dieser Nummer“-Ansage der Telekom verhandeln. Es würde höflich bleiben und stets an passender Stelle ein Äh oder Mmm-mm einfügen. Auch die Maschine der Telekom würde nicht die Geduld verlieren, so lange jemand die Telefonrechnung zahlt.

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