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Eine Interims-Leitung ist bestellt, aber ohne Beschädigung wird das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch nicht aus den Intrigen kommen.

Tanztheater Wuppertal
Intrigen-erprobt: das Tanztheater Wuppertal im Jahr 2010. Foto: Imago

Bereits zehn Jahre wird es im Juni 2019 her sein, dass Pina Bausch gestorben ist. Ihre die Tanz- wie auch die Bühnenkunst einst revolutionierenden Stücke sind in der Welt noch immer nachgefragt, in der Wuppertaler Company gibt es noch Tänzer, die mit ihr gearbeitet haben. Es ist schön, wie man nach Wuppertal oder zu einem Gastspiel anderswo reisen und mit eigenen Augen sehen kann, welche Wucht von Werk hier bewahrt wird.

Trotzdem sahen die Verantwortlichen vor einigen Jahren ganz richtig: Es wird bald neben der Pflege des großen Erbes Neues geben müssen. Man entschied sich für Adolphe Binder als Intendantin, die erfolgreich die Göteborgs Operans Danskompani auf der Tanzlandkarte verankert hatte. Sie kam, arbeitete sich mit Verve ein und sagte im Gespräch mit der Tanzkritikerin, daraus, dass man sich für sie entschieden habe, schließe sie, dass man in Zukunft auch neue Stücke wolle. Sie packte das an, indem sie zwei Choreografen einlud, in Wuppertal zu arbeiten. Die Stücke hatten kaum Uraufführung gehabt, erfolgreich, da wurde Adolphe Binder fristlos gekündigt. Einer der Vorwürfe: Sie habe keinen Spielplan aufgestellt.

Binder wehrt sich, die Sache wird vor Gericht gehen. Indessen die Wuppertaler Verantwortlichen Fakten schufen, indem sie vor kurzem für zwei Jahre die Tanzmanagerin Bettina Wagner-Bergelt und als neuen Geschäftsführer den Belgier Roger Christmann verpflichteten. Es wird betont, die beiden seien „gleichberechtigt“.

Dass das Adolphe Binder nicht war, wie sie – vielleicht, weil sie keinen Stallgeruch hatte – demontiert wurde, enthüllt nun eine Redakteurin der „Wuppertaler Rundschau“, und sie tut es, weil sie sich „instrumentalisiert“ und „bewusst getäuscht“ sieht. „Der Durchstecher“ nennt sie denjenigen, der ihr Material gab, das Binder belasten sollte. Hinter diesem „Durchstecher“ stand wohl der langjährige Geschäftsführer Dirk Hesse.

Dieser hatte im Februar einen „Interimsmanager“ an die Seite bekommen. Der wiederum behandelte Binder (so belegt ein Mail-Wechsel, der der Wuppertaler Redakteurin vorliegt) „wie eine Hilfskraft“. Sie bekam Redeverbot, sogar aus Anlass der beiden Uraufführungen. Selbst wenn sie auf Gastspielreise war, sollte sie sich zu bestimmten Zeiten bei diesem Mann an- und abmelden. Über ihren Spielplanvorschlag hat man mit ihr nicht gesprochen. Über das Budget auch nicht.

So haben präpotente Männer – die nun hoffentlich abgemeldet sind – den Ruf Binders sowie das Erbe Pina Bauschs beschädigt und eine Krise herbeigeführt, die nicht spurlos am Tanztheater Wuppertal vorbeigehen wird.

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