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Times mager 7gscheit

Orthografie im Reich der Zweige: Seit der Rechtschreibreform darf jeder schreiben, wie er will. Das ist ein unerwartet weites Feld.

Otto Waalkes bei der Premiere des Kinofilms Der 7bte Zwerg in der Lichtburg in Essen. Foto: Imago

Seit der Rechtschreibreform darf jeder schreiben, wie er will (Quelle: Internet). Wann warse, die Rechtschreibreform? 1996. Hätten Sie das gedacht? Hinterher kam noch „die neue Rechtschreibreform“ 2004 bis 2006, um letzte Klarheiten zu beseitigen. Dies vorab.

Mit der Frage, wie man heutzutage schreibt, beschäftigte sich kürzlich die „Frankfurter Allgemeine“ und machte darauf aufmerksam, was uns bevorsteht: das Ende der Orthografie. Man kann ihr nicht genug dafür danken, der Allgemeinen, denn sie hat recht bzw. Recht bzw. eh egal.

Jüngster Anlass, sich brüllend in eine Ecke zu werfen, ist der Film „Der 7bte Zwerg“, den der von Otto Waalkes in einen Regisseur verhexte ehemalige Tatort-Kommissar Boris Aljinovic gedreht hat.

„Der siebenbte Zwerg“, um es Ihnen allen noch mal total plakativ in die offene Wunde zu reiben, soll kein lustiges Wortspiel sein, etwa nach der Art: Zwerg Nummer 7a hatten wir schon, jetzt kommt Zwerg Nummer 7b, und nach dem ist der Film benannt. Nein. Der Film heißt einfach „Der 7bte Zwerg“, ohne Kommentar. Fertig.

Aber nicht vom Ferd!

Millionen Menschen werden in den nächsten Wochen diesen Film ansehen. Kinder. Heranwachsende. Junge Leute, bei denen theoretisch noch etwas zu retten wäre. Sie werden aus dem Kino kommen und sagen: „Ich gehe in die 7bte Klasse, morgen lasse ich mir in Gitta’s Frittierstube die Haare flexen, und sonst esse ich gern Steak’s, aber nicht vom Ferd.“

Das ist natürlich Unsinn, die Sätze müssen alle anfangen mit der Formulierung: „Ich bin dann so wie“. Dabei handelt es sich um die direkte Übersetzung des englischen Vorbild-Sprachfragments „I was like“, was so viel bedeutet wie: „Und ich so …“.

An dieser Stelle: Jaja, schönen Gruß aus dem Glashaus. Aber selbst als Angehöriger einer Branche, die Bandnamen nur noch wie Mehrzahl-Subjekte behandelt („Pink Floyd spielen nirgends“, „Abba essen Seele auf“), ja inzwischen sogar Sportvereine pluralisiert („Frankfurt Galaxy holen Quarterback“) wird man doch wohl bitte noch mal verzweifelt aufheulen dürfen.

Was ist das für eine Welt, in der einem das moderne Redaktionssystem den Begriff Drudel als Fehler ankreidet? Drudel! Das Bilderrätsel! Aber geben Sie mal „afdsafdsa“ in eine Suchmaschine ein – 122 000 Ergebnisse in 0,28 Sekunden. Wie schlimm es wirklich um das geschriebene Wort steht, verdeutlicht dieses letzte, einzige Aufbegehren: „Leider haben wir zu Ihrer Suche nach ,Der 7bte Zwerg‘ kein passendes Motiv gefunden, bitte überprüfen Sie die korrekte Schreibweise.“ Verfasserin: eine Bildagentur.

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