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Kolumne Opfer

Der Countdown läuft: Noch ein Jahr wird vergehen, bis zum 300. Geburtstag des großen Komponisten. Binnen dieser Jahresfrist wird so viel rund um ihn zu sehen, lesen, hören geben, dass unser Autor sich entschlossen hat, mit einer verfrühten Würdigung zu kommen.

23.01.2011 20:41
Hans-Jürgen Linke

Ein Jahr wird noch vergehen bis zum 300. Geburtstag des großen Komponisten. Weil aber in einem Jahr alle Medien, Gehörgänge, Sehnerven und Hirnwindungen verstopft sein werden von diesem Jubiläum, ist es ratsam, mit einer um ein Jahr verfrühten Würdigung zu kommen. Erstens liegt die Würdigung des Jubilars als Komponist ohnehin nicht im Mainstream und wird daher vermutlich meist unterbleiben; und zweitens wird diese Würdigung in Kürze wieder vergessen sein, wie alles, was zu früh auf die Welt kommt.

Der Jubilar ist der Flötist, Orchesterbesitzer und Gelegenheitskomponist Friedrich II., genannt „der Große“, König in und ab 1772 von Preußen. Er soll 1738 seine erste Sinfonie (von vieren) komponiert haben, ging auch mit etlichen Stücken für Flöte und Klavier oder Flöte und Basso Continuo in die Musikgeschichte ein, vor allem aber als Flötenschüler des großen Johann Joachim Quantz. Der Komponist Carl Heinrich Graun, der Friedrichs Hofkapelle leitete, erteilte allerhöchsten Kompositionsunterricht. Da Friedrichs Musik kaum andere als epigonale Züge aufwies, ist er als Komponist nicht nachhaltig in die Geschichte eingegangen.

Dennoch ist seine größte kompositorische Leistung geeignet, ihm einen Platz unter den Großen der abendländischen Musikgeschichte zu verschaffen. Sie besteht vielleicht im Notieren, wahrscheinlich aber eher im Notierenlassen des so genannten „königlichen Themas“, das er anlässlich eines Besuchs des „alten Bach“ in Potsdam diesem unterjubelte. Ein Thema, das sich gegen gängige Techniken der Fugenproduktion sperrig verhielt, so dass der alte Bach auf Friedrichs Aufforderung, es für eine Fuge mit sechs obligaten Stimmen zu verwenden, um Geduld für eine schriftliche Ausfertigung bat. Bach machte daraus das Werk, das heute als „Musikalisches Opfer“ die BWV-Nummer 1079 trägt. Und auch wenn Kritiker meinen, Friedrich selbst könne unmöglich dieses raffinierte Thema erfunden haben, es stamme wohl von dem jungen C. Ph. E. Bach, der in der Hofkapelle diente: Ohne Friedrich gäbe es das Musikalische Opfer nicht. Es ist seine größte kompositorische Hinterlassenschaft.

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