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Kolumne Brain-Ball

Favoritenrolle hin oder her - dumm gelaufen ist's für unsere Fußballfrauen. Doch nicht nur für sie. Auch auf ganz anderem internationalen Pflaster hat die Favoritenrolle den Deutschen nichts gebracht: Beim RoboCup 2011.

Tja, die Japaner. Das ist dumm gelaufen für unsere Fußballfrauen. Der gönnerhafte Trost all der sportfernen Ignoranten, das Schöne am Fußball sei doch, dass es immer wieder Überraschungen gibt – also dieser Trost ist schon mal für die Tonne. Doch vielleicht hat die nationale Schmach, die jetzt niemand empfinden möchte, ganz einfach auch mit der Favoritenrolle als solcher und der mit ihr einhergehenden psychischen Belastung zu tun. Das ließ sich jetzt bei der am Wochenende zu Ende gegangenen Fußballweltmeisterschaft in Istanbul beobachten: dem RoboCup 2011.

Die Deutschen galten hier als Favoriten, insbesondere das Team der Darmstadt Dribblers. In der „KidSize“-Kategorie – humanoide Roboter zwischen 30 und 60 cm Höhe – fegten sie mit Siegen im zweistelligen Bereich die internationale Konkurrenz vom Platz. Ein nicht geringen Anteil am Erfolg hatte dabei der Torwartroboter. Unvergessen eine Szene, in der es ihm, bedrängt von einem gegnerischen Angreifer, bereits im zweiten Versuch gelang, den Ball mit dem Händen aufzuheben und über die Köpfe des Gegners wieder ins Spiel zurückzuwerfen: Situation entschärft und Gegenangriff eingeleitet. Was für eine Spielübersicht!

Und dann kam das Halbfinale am Sonntag – gegen das Team DARwIn aus Virginia. Anstoß, die Amerikaner stürmen aufs deutsche Tor; der Darmstädter Keeper rennt aus dem Kasten, klärt und haut das Runde per Fernschuss ins Eckige. 1:0 für Deutschland nach nur ein halben Minute! Beim Wiederanstoß hat der Torwart kein WLAN-Empfang mehr, die anderen Darmstädter offenbar auch nicht. DARwIn nutzt das Kommunikationsdesaster und gleicht aus. Daraufhin verweigert der Torwart ganz den Dienst – akutes Nervenflattern, er geht nicht mehr zum Ball und muss aus dem Spiel genommen werden. DARwIn gewinnt mit 12:6.

Mit einem 8:1 gegen die japanischen CIT Brains holen sich die Amerikaner den Weltmeistertitel. Die Dribblers trotzen den FUmanoids mit einem 8:4 immerhin noch den dritten Platz ab. Tja, Japan hat uns wieder überholt. Unsere Programmierer müssen nachbessern: weniger störanfälliger Perfektionismus und dafür robustere Kommunikation.

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