Lade Inhalte...

Google Glass Sei kein "Glasshole"

Am Dienstag wird in den USA eine unbestimmte Zahl der Daten-Brille "Google Glass" verkauft. Wie sich Google-Brille und Schutz der Privatsphäre vertragen? Ganz einfach: Sei kein "Glasshole".

Google verkauft am Dienstag eine unbestimmte Anzahl von Datenbrillen in den USA. Netto-Stückpreis: 1500 Dollar. Foto: dpa

Das Wundersame an der englischen Sprache ist, dass eine Sache kaum existiert – schon gibt es eine sprachspielerische Bezeichnung für sie. So ist es jetzt mit „glasshole“: Gemeint ist, in Anlehnung an „asshole“, ein Mensch, der ein bisher noch gar nicht zu erstehendes Google Glass trägt und sich damit als „Brillenloch“ erweist. Klingt auf deutsch nicht einprägsam.

Die Google-Brille ist ein wie eine Brille tragbarer, sprachgesteuerter Minicomputer mit Kamera. Bisher konnten ihn nur Testpersonen in der Öffentlichkeit spazierenführen, am morgigen Dienstag soll nun in den USA eine unbestimmte Anzahl davon für 1500 Dollar pro Stück verkauft werden. Was eine weitere Verbreitung betrifft, etwa bei den zimperlichen Deutschen, so versucht Google einer Ablehnung des die Privatsphäre ja nicht gerade schützenden Teils – Mitmenschen können noch viel diskreter gefilmt werden als mit einem Smartphone – mit guten alten Benimmregeln vorzubauen. „Sei kein Glasshole“ lautet die Devise.

Artig um Erlaubnis fragen

So soll man artig um Erlaubnis fragen, sobald man filmen will (Google glaubt offenbar an die Wirkung von Ermahnungen. Oder eher: es tut so). Man soll nicht wie ein Zombie (das Wort „Zombie“ benutzt die Firma natürlich nicht) irgendwo rumstehen und mit Hilfe der Brille längere Texte lesen. Als Beispiel wird „Krieg und Frieden“ genannt. Wirklich komisch. Überhaupt soll man als Google-Glass-Träger möglichst nicht geistesabwesend wirken. Wie famos das funktioniert, sieht man ja an all den Smartphone-Nutzern.

Amerikanische Test-Träger sollen sich bereits gewundert haben, dass ihnen mit erheblicher Aggression begegnet wurde. Etwa, wenn sie in einer Kneipe ihre Brillen-Kamera laufen ließen, was offenbar an einem Lichtlein erkennbar ist. Man wundert sich, dass sie sich wundern. Aber die Google Glass wird kommen, keine Sorge, mag auch dem ein oder anderen Glasshole zwischendurch auf Brille und Nase gehauen werden.

Und schon wird auch an passenden Apps gebastelt, etwa unter dem Arbeitstitel „Sex mit Glass“. Den Sexpartnern soll dabei live die Perspektive des jeweils anderen auf die Brille gespielt werden. Und, großes Ehrenwort, nach fünf Stunden (warum nach fünf und nicht vier oder sechs?) wird alles gelöscht. Nach dem NSA-Skandal (obwohl: nach?), mitten im Heartbleed-Skandal ist das, mindestens, der beste Witz der neuen Woche.

Ganz gewiss wird kein Unbefugter sich der Google-Glass-Sexaufnahmen bemächtigen, bestimmt wird keiner damit Unfug treiben können. Und in ein paar Tagen kommt der Osterhase.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen