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ESC Bum

Wer den ESC 1982 zum letzten Mal wirklich wahrgenommen hat, der setzt sich in solchen Stunden lieber noch ein bisschen an die Arbeit. Und denkt zum Beispiel über die Wendung „Schluss, bum, aus“ nach.

ESC
Manche finden das so dufte mit dem ESC, die wollen gleich live dabei sein. Foto: dpa

Der Heimweg am Samstagabend führte vorbei an zwei gut hör- und einsehbaren Grand-Prix-Eurovision-Feiern. Einsehbar nicht im dem Sinne, dass man es hätte begreifen können, sondern im Sinne von: gut sichtbar. Auf dem Balkon über der Uhlandstraße hingen Raucher auf die Straße und unterhielten sich über Spanien. Ganz okay, ganz abgeschlagen, und jetzt schnell wieder rein. Durch das Fenster an der Gustav-Freytag-Straße sah man junge Menschen sachte zappelnd in Richtung eines immens großen Fernsehapparates stehen, auch versuchten etliche von ihnen mitzusingen. Es war laut, aber auch unverbindlich. Zu Hause angekommen zeigte sich, dass bereits 2237 des Englischen kundige Internetnutzer auf dem Liveticker des „Guardian“ den Fortgang des Grand-Prix-Eurovision-Singens kommentiert hatten, nein 2245, und nach dem Kaffeekochen waren es 2412. Mal sehen, was sie zum deutschen Beitrag geschrieben haben. O je. 

Wer den Wettbewerb 1982 zum letzten Mal wirklich wahrgenommen hat – es waren großen Tage, wobei man schon damals staunte, wenn einem der Sinn eher nach Depeche Modes „The Meaning of Love“ stand –, der setzt sich in solchen Stunden lieber noch ein bisschen an die Arbeit. Und denkt zum Beispiel über die Wendung „Schluss, bum, aus“ nach, die im Verlauf des Fußballnachmittags gefallen war. Nicht wegen der Spiele, bei denen das zum Teil natürlich auch verdammt gut gepasst hätte, sondern wegen der parallel dazu verlaufenden Diskussionen über dies und das. 

„Schluss, bum, aus“ ist eine Wendung, die vorkommt, aber offenbar nicht allgemein geläufig ist. Vermutet wurde im privaten Kreis ein Zusammenhang zum Ende einer klassischen Sinfonie („bum“ würde hier die Pauke machen) oder zur Aufrüstung und irrigen Vorstellung von einem Kriegsverlauf im ausgehenden Kaiserreich („bum“ würde hier die „Dicke Bertha“ machen). Das Internet, das doch sonst vieles kennt, jedenfalls schon mal gehört hat (was es für das gleiche hält), zeigte sich hilflos – „Schluss, bumm, aus“ bereits mitgerechnet, der Duden empfiehlt aber „bum“. Es schlug noch „Schluss, bums, aus“ vor, konnte aber auch dafür bloß wenige und läppischer Resultate vorweisen. 

„Schluss, bum, aus“ ist eine Art väterliches „Basta“, also ein bisschen ausführlicher und lustiger. Es dürfte der Zeit entstammen, in der der Sprecher auch die Wendung „Hier geht es ja zu wie bei Rollkutscher“ lernte. Bei Rollkutschers geht es zu, wie es bei Hempels unterm Sofa aussieht. Bei Hempels unterm Sofa: Da war das Internet wieder auf dem Quivive. Beim „Guardian“ liefen inzwischen 1000 weitere Kommentare zu den Leistungen der Grand-Prix-Teilnehmer auf. Was für ein Abend, was für eine Nacht.

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