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„Es“ nach Stephen King Clowns sind auch nur Menschen

Vor dem deutschen Kinostart von „Es“: Eine Erinnerung daran, dass Clowns hart arbeitende, seriöse Berufstätige sind.

Pennywise
Was mag ein wirklicher Clown sein? Wäre ein wirklicher Clown nicht ziemlich – unheimlich? Foto: Imago

Noch eine Woche, dann läuft der Film „Es“ nach Stephen Kings einschlägigem Roman auch in Deutschland an. Eine gute Gelegenheit, daran zu erinnern, dass Clowns hart arbeitende, seriöse Berufstätige sind, die es nicht verdient haben, mit Misstrauen beäugt zu werden. Schon Ende August hat Pam Moody von der World Clown Association Alarm gegeben und das Publikum gebeten, zwischen ihren Mitgliedern und dem bösen Pennywise zu unterscheiden. „Böse“ ist ein Euphemismus, um beim Schreiben keinen Panikanfall zu bekommen. Pennywise ist der böse Clown in „Es“, einem Film, den sich vernünftige, nämlich schreckhafte, weder Geisterbahnen betretende noch Halloween feiernde Menschen, die abends auch einmal alleine zurechtkommen müssen, niemals anschauen werden.

Hier geht es aber nicht um Schreckhaftigkeit. Die World Clown Association macht darauf aufmerksam, dass Mitglieder ihrer Organisation niemals jemanden erschrecken würden. „Wir vertreten positive, familienfreundliche Unterhaltung. Wir bieten unserem Publikum fröhliche, kreative, liebevolle, positive und lustige Erlebnisse.“ Und weil das, sobald man an Pennywise denkt, auch schon wieder entsetzlich klingt, stellt die World Clown Association noch einmal klar: Menschen, die sich maskieren, um andere zu erschrecken, seien „keine professionellen Clowns“.

„Es“ nach Stephen Kings einschlägigem Roman

Auch seien sie keine „wirklichen Clowns“, womit sich Pam Moody auf eine Metaebene begibt, die kompliziert, aber auch anregend ist. Denn was mag ein wirklicher Clown sein? Und wäre ein wirklicher Clown nicht ziemlich – unheimlich? Die World Clown Association hat Gründe für ihr Vorgehen. Schon vor Anlaufen von „Es“ seien die Buchungen für Clowns in Klassen und auf Geburtstagsfeiern zurückgegangen, ja, es habe sogar Stornierungen gegeben. Einen Drittel Rückgang an Auftritten meldet der Clown Tommy Bungle aus Darlington eine Woche, nachdem „It“ in Großbritannien angelaufen ist. Bibbledy Bob aus Tamworth, Staffs, der sich den Film extra schon angesehen hat, sagt dem Boulevardblatt „Sun“: “,It‘ hat nichts mit Clownerie zu tun, aber viel mit einer billigen Hollywood-Produktion. Ich schaue mir lieber einen Disney-Film an.“ So viel zu den Stellungnahmen von Clowns, um deren Gewerbe es in dieser Welt ohnehin nicht zum besten bestellt ist.

Die „Sun“ stellt zu ihrem Artikel natürlich quietschfidel Fotos von Pennywise, die uns heute Abend in unsere Träume verfolgen werden. Die Angst vor Clowns heißt Coulrophobie. Stephen King weiß, was für ein Gesicht er dem Grauen gibt. Kinder, erklärte er jetzt, hätten schon immer Angst vor Clowns gehabt: „Tötet nicht den Boten.“ Wer in Daniel Kehlmanns Poetikvorlesung in Frankfurt zugehört hat, weiß das übrigens ohnehin schon. Kehlmann hat dafür inzwischen eine Schauergeschichte ohne Clowns geschrieben. Jetzt kann man keine Ferienhäuser mehr anmieten. Verdammt.

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