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Christian Lindner Prollig-trolliges „Gutmenschen“-Bashing

Laut FDP-Chef Christian Lindner brandmarken linke Internet-Trolle einfach alle als Rassisten. Aber Lindner ist natürlich kein Rassist. Er verteidigt nur Leute, die rassistisch reden. Unsere Kolumne „Times mager“.

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Christian Lindner ist sich sicher: Die Trolle wohnen links. Foto: dpa

Für das Times mager ist es wichtig, die Dinge zu ordnen, genau wie für „Bild“ und die FDP: Wer oder was ist oben, wer oder was ist unten? Wer rechts, wer links? Wer steht eigentlich neben mir? Ich selbst? Ein als Programmierer ausgebildeter, also guter Ausländer? Oder doch ein Flüchtling, der seine terroristischen Absichten durch den Kauf von Brötchen zu tarnen versucht?

Die „Bild am Sonntag“ hatte ihr Interview mit Christian Lindner (FDP, oben) unter anderem durch einen Hinweis auf die natürliche Ordnung eingeleitet: „Bald geht’s in den Sommerurlaub mit der neuen Freundin (siehe unten).“ Aber erst gab’s natürlich ein Interview mit „Bild am Sonntag“, in dem Lindner enthüllte, wo die Trolle wohnen: links.

Wussten Sie schon, dass das Wort „Troll“ („ein mehr oder weniger menschenähnliches Fabelwesen“) sich laut Wikipedia aus den Wörtern „Troll“ und „Troll“ zusammensetzt? „Die Wortherkunft geht auf die Verschmelzung des ... schwedischen Wortes troll mit dem älteren, niederhochdeutschen Wort troll zurück.“

Der Troll: Eine Mischung aus Proll und Trump?

Man könnte also sagen, der Troll stand schon immer neben sich, wogegen über seine politischen Neigungen bisher nichts bekannt war. Nun aber Christian Lindner: „Wir laufen Gefahr, in einer verprollten, vertrumpten Demokratie zu leben.“ So wäre also der Troll eine Mischung aus Proll und Trump? Aber ist das wirklich links?

Nö, das war die falsche Stelle. An der richtigen Stelle findet es Christian Lindner zwar doof, dass „völkisches und autoritäres Denken salonfähig“ wird. „Dagegen muss man sich wehren.“ Aber? „Wer reale Probleme bei der Zuwanderung anspricht, wird von linken Trollen in sozialen Medien als Rassist gebrandmarkt.“

Das ist, sagen wir, empirisch nicht ganz standfest, sondern eher ein bisschen prollig-trolliges „Gutmenschen“-Bashing, wie es auch – Achtung! – Rassisten gern betreiben. Trotzdem ist der Herr Lindner natürlich kein Rassist. Er verteidigt nur Leute, die rassistisch reden, mit dem Argument, sie würden „reale Probleme bei der Zuwanderung“ ansprechen.

Was allerdings auch Leute tun, die anders als Christian Lindner nicht bereit sind, alle möglichen Herkunftsländer einfach so als „sicher“ einzustufen. Aber das sind linke Trolle oder, noch schlimmer, Grüne.

Ja, Christian Lindner ordnet die Dinge: rechts die Rassisten (wenn sie den Lindner-Check bestanden haben), links die Trolle, in der Mitte das Gute, und das hat einen Namen. Und eine Freundin (siehe oben).

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