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Bayreuth Der Kasus Meese

Auch Lars von Triers "Ring" kam nicht zustande, nun beendet Bayreuth die Zusammenarbeit mit Jonathan Meese. Das ist der Lauf der Dinge.

Jonathan Meese mit deutlichen Worten über die Wagner-Festspiele. Foto: dpa

Der Künstler und nun verhinderte Bayreuth-Debütant Jonathan Meese bellte am Wochenende zurück. Nein, nicht zurück. Die Bayreuther hatten ja nicht gebellt, bloß ohne Wenn und Aber ihre Absage an den Regisseur veröffentlicht. Das Argument jedenfalls, so Meese, die Ausstattung seiner für 2016 geplanten „Parsifal“-Inszenierung sprenge die finanziellen Möglichkeiten der Wagner-Festspiele, sei „vorgeschoben“. „Es geht in Bayreuth schon lange nicht mehr um Kunst. Es geht um Selbsterhalt, Macht und den Kampf gegen die sinkende Relevanz“, zitierte „Spiegel Online“ Meese. In Bayreuth herrsche eine „Kultur von Befehl und Gehorsam“. Und: „Künstler scheitern an Bayreuth, weil die Kunst dort kein Zuhause mehr hat. Meese ist nicht an Wagner gescheitert, sondern Bayreuth an Meese.“ So weit Meese.

Das ist der Lauf der Dinge. Manchmal geht es schief. Auch Lars von Triers „Ring“ kam nicht zustande, und hinter der Absage des Regisseurs, der die Sache damals ganz auf sich nahm, zeigten sich nachher die Umsetzungsprobleme, was wiederum zu Kritik am Bayreuther Betrieb führte. Ja, stimmt, in Bayreuth wird nicht alles gewagt und geschafft. Das war schon immer so. Gucken Sie sich mal das Stückchen Straße und den Toreingang an, über das und durch den jeder Kulissenteil von einer Halle direkt von hinten auf die Bühne gerollt werden kann. Und muss. Geht ein Kamel nicht leichter durch ein Nadelöhr?

Ein fades Element

Der Kasus Meese ist natürlich ähnlich wie der Kasus von Trier ungemein ärgerlich für die Festspiele. Der 2016er-„Parsifal“ war ein Coup, den Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier als neue Festspiel-Leiterinnen 2012 ankündigen konnten. Andererseits war es einer dieser Coups, denen ein fades Element inne wohnt. Das galt auch für den Castorf-„Ring“ (als Trier-Ersatz) und erfüllte sich dort vollständig. Castorf machte praktisch genau das, was man von ihm erwartet hatte.

Skeptisch stimmt die routinierte Zornes-Rhetorik Meeses. Weil man sich daraufhin zum Beispiel fragt, ob es nicht die vorrangige Aufgabe einer Theaterleitung ist, einzugreifen, wenn was auch immer aus ihrer Sicht aus dem Ruder läuft. Das Büro von Meese erklärte am Sonntag: „Wenn man in Bayreuth nicht mit Jonathan Messe arbeiten möchte (...), hätte man ihn einfach nicht beauftragen sollen.“ Das stimmt. Aber setzt Kunst Nibelungentreue voraus? Hoffentlich nicht.

Mit größter Hochachtung denkt man an Christoph Schlingensiefs „Parsifal“. Dass Professionalität und Kunst doch über das Gedöns siegen, manchmal. Und dass das immer mit allen Beteiligten zu tun hat.

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