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Altstadt in Frankfurt Besucherstrom in Dorfgröße

Diese Welt ist längst ein globales Dorf, allerdings keines aus Fachwerk. Das gibt es dafür nun nagelneu in Frankfurt, Altstadtgefühl und Freiheitsversprechen inklusive.

Altstadt
Alles neu in der Altstadt Frankfurts. Foto: Christoph Boeckheler

Altstadtgefühle – erhebende Gefühle, so darf man wohl sagen. Oder sollte es etwa doch anders sein? Sie kennen das, bei Empfindungen und Gefühlen gibt es rasch Streit, erst recht bei den Gefühlen, die Frankfurts nagelneue Altstadt betreffen. „Nagelneue Alstadt“? So hat die FR sie bereits vor geraumer Zeit auf diesem Times-mager-Platz getauft. Und das wäre auch der Vorschlag für Name und Anschrift des Quartiers, damit sich die Zusteller besser zurechtfinden, darunter der gute alte Postillon.

Auch über Frankfurt hinaus, denn Frankfurt ist kein Dorf, hat man bereits davon erfahren, dass diese Form der Altstadt sehr sensible Empfindungen auszulösen vermag, solche der erhebenden Art. Schwebende Gefühle, wie über den Wolken. Sie kennen das. Oder haben davon gehört, dass die Freiheit dort eine andere Konsistenz und Qualität haben soll, ins Unermessliche tendiert. Also ist mancher Mensch dem gelegentlich flugs hinterher, wenn man denn dem Lied Glauben schenken möchte.

Altstadtgefühle, erbauliche Gefühle

Was ja gar nicht selbstverständlich ist in dieser Welt, die dummerweise längst ein globales Dorf ist, allerdings keines aus Fachwerk, vielmehr verfertigt aus Hektik und Hader. Wie wichtig da ein erhebender Gedanke, wobei der Glaube an Frankfurts zukünftige Altstadt nie wolkig genug sein konnte, um Frankfurts neue Altstadt, für die soeben die Bauzäune gefallen sind, für eine einzigartige Sache zu halten. Altstadtgefühle, erbauliche Gefühle. Ein authentischer Zusammenhang.

Beschworen wurde ein Freiheitsversprechen, Freiheit von den Zwängen der Moderne. Mit Wohnen inmitten der Stadt, mit dem Laden direkt gegenüber, einem Plätzchen für das Schwätzchen gleich um die Ecke. Der Weg dorthin führt durch enge Gassen. Beschauliche Sache, womöglich gemütlich. Nicht überall einfach ist es im engen Gässchen allerdings mit einem freien Blick in die Wolken. Sie kennen das vielleicht noch nicht. Aber sie werden sich auf Frankfurts Dom-Römer-Areal, auf dem zukünftigen Altstadtstandort damit abfinden müssen. Mit dem, was seit Mittwoch aus nächster Nähe angeschaut werden kann, ist allerdings mehr als nur ein Ensemble aus fünfzehn rekonstruierten Häusern und zwanzig Neubauten in Altstadtmanier. Manieriert ist sicherlich vieles in der Welt.

Das Altstadtgefühl möchte es nicht beim bloßen Zuschauen bewenden lassen. Wer da richtig nach den Sternen greifen möchte, ist das Stadtmarketing. Weil der Tourismus-Chef der Stadt von einem großen Tourismusinteresse ausgeht, sieht er bereits eine „Sternstunde für die Vermarktung“ auf die Stadt in der Stadt zukommen. Die Prognose lautet zwei Millionen Besucher im Jahr.

Pro Tag sind das rund 5500 Besucher. Auf Frankfurts nagelneue Altstadt wird also täglich ein Besucherstrom in Dorfgröße zukommen. Angesichts solcher Sternstundenzahlen die Altstadt, wie bereits geschehen, als die „Seele“ Frankfurts zu bezeichnen, ist eine kühne Aussicht, nach Qualität und Konsistenz eher wolkig.

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