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AfD bei Europawahl Extremistischer Selbstfindungsprozess

Die Radikalisierung hat die europafeindliche AfD ausgerechnet in Europa nur attraktiver gemacht – und nicht nur dort. „Times mager“, die Feuilleton-Kolumne, über die Grenzverschiebung extremer Nationalisten.

Steve Bannon
Der nach eigenem Bekenntnis von Mussolini „faszinierte“ Steve Bannon unterstützt den mit Mussolini-Zitaten provozierenden italienischen Innenminister Matteo Salvini. Wird Trumps Ex-Berater demnächst auch der AfD helfen? Foto: afp

In diesen Tagen haben wir einen der Kandidaten auf die Nachfolge Angela Merkels als Chef der CDU, Friedrich Merz, so verstanden, dass die AfD „offen nationalsozialistisch“ sei. Der Satz ist wohl nicht mehr aus der Welt zu schaffen, die politische Einschätzung so wenig wie die historische Beurteilung. Zur politischen Bewertung gehört, dass Merz eine Koalition mit der AfD „absolut und vollkommen“ ausgeschlossen hat, öffentlich und zudem offen. 

Sollte es deshalb so sein, dass die AfD damit auf ihre „nationalsozialistische“ Identität zurückgeworfen wird, auf die Identität einer Splitterpartei, der die Wählerwanderer zukünftig nicht mehr in dem Maße zuwandern wie bisher. Sollte der Zuzug zur AfD tatsächlich seinen Zenit überschritten haben, wie bereits im Anschluss an die Wahlen in Bayern und Hessen gemutmaßt wurde. Sollte der Zenit an AfD-Gunst nicht nur bei Wählern, sondern auch an AfD-Gunst von nicht wählerischen Populisten in der Union überschritten sein? 

Im Laufe der letzten Tage fanden wir aber auch Zeit, um uns daran zu erinnern, dass die Partei schon manches Mal im Laufe ihrer noch nicht lange andauernden Geschichte ihren Scheitelpunkt überschritten zu haben schien – so das Wunschdenken aufseiten von AfD-Gegnern. Auch, so haben wir gesehen, hat die Partei sich bis heute nicht selbst zerlegt. Du: trotz parteiinterner Fehden. Ich: trotz interner Verleumdungskampagnen. Du: trotz parteiinterner Vertreibungskampagnen. Ich: nach historischem Vorbild. Auch dadurch hat sich die Partei ein jedes Mal weiter radikalisiert.

Steve Bannon  mischt mit

Diese Radikalisierung hat die europafeindliche AfD ausgerechnet in Europa nur attraktiver gemacht – und nicht nur in Europa. Man könnte von einem extremistischen Selbstfindungsprozess sprechen, bei dem der Amerikaner Steve Bannon, Trumps Ex-Politik-Berater, nicht nur einfach zuschauen möchte, sondern dem er aktiv zuarbeitet, von Europa aus.

In Italien tritt der nach eigenem Bekenntnis von Mussolini „faszinierte“ Bannon auf, um den mit Mussolini-Zitaten provozierenden italienischen Innenminister Matteo Salvini zu unterstützen. Ein anderer Mann Bannons in Europa ist der Belgier Mischaël Modrikamen, zusammengebracht wurden die beiden von Nigel Farage von der britischen Ukip. Wir werden Zeuge, wie die rechtsextremen Netzwerke funktionieren. Du: grenzenlos. Ich: sich skrupellos öffnend. 

Aufseiten der extremen Nationalisten hat längst eine Grenzverschiebung stattgefunden. Ursprünge und Vergangenheit der AfD sind in ihrer Europafeindschaft zu suchen. Die Gegenwart der AfD ist in ihrem  nationalistischen Europawahlkampf zu finden, der transnationaler Art ist. 

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