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Times Mager Kunstblumen

Es war schon herbstlich kalt, als vor ein paar Monaten eine von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit angemietete Barkasse durch die Gewässer am

Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin. Foto: FR

Es war schon herbstlich kalt, als vor ein paar Monaten eine von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit angemietete Barkasse durch die Gewässer am Berliner Hauptbahnhof navigierte. Stolz präsentierte man der nautischen Pressegemeinschaft das neue Kunstareal am Humboldthafen. Aufstoppen, wenden und noch einmal von vorn ansteuern. Ein Schiff wird kommen für die Kunst. Auf einer Fläche von rund 10 000 Quadratmetern wollte sich die chronisch arme Stadt hier ein stattliches Museum für zeitgenössische Kunst von einem privaten Investor schenken lassen, der als Gegenleistung dafür ein neues Stadtzentrum auf dem Entwicklungsstandort mit Gleisanschluss errichten dürfe. Andy Warhol legt am Humboldthafen an, titelte der Tagesspiegel, ein Investor schien in den Startlöchern zu sitzen. Die Ausschreibung des Berliner Liegenschaftsfonds' war wie geschaffen für Nicolas Berggruen, Immobilienkaufmann, Kunstsammler und Sohn des legendären Berliner Sammlers Heinz Berggruen.

Inzwischen ist die Bewerbungsfrist abgelaufen. Unter den drei Eingängen befindet sich allerdings keine Unterlagen von Nicolaus Berggruen. Das spektakuläre Projekt ist, um im jahreszeitlichen Bild zu bleiben, bis auf weiteres eingefroren.

Die Berliner Kunstfreunde richten ihre begehrlichen Blicke unterdessen auf die Eisblumen in der Nachbarschaft des Jüdischen Museums. Der dortige Blumengroßmarkt verlässt 2010 sein Quartier und könnte Platz machen für einen permanenten Kunststandort. Dass das Jüdische Museum auf dem Areal bereits ein Education Center errichten möchte, muss kein Hindernis sein. Es ist genug Platz für alle da. Selbst die Politik zeigt sich vom Nichterscheinen Berggruens auf der Humboldtbrücke unbeeindruckt. Dann machen wir es eben selber, hält Senatssprecher Torsten Wöhlert trotzig-selbstbewusst an dem Versprechen fest, noch in der laufenden Legislaturperiode mit dem Bau einer Kunsthalle zu beginnen.

Während andernorts bekräftigt wird, dass die Folgen von Finanz- und Winterkatastrophe nicht abzusehen seien, hat Berlin es besser. Es gibt hinreichend Platz, unerschöpfliche Pläne und endlos viel Zuversicht. Und jetzt alle: Schaut auf diese Stadt.

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