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Times Mager Herrscher, Musiker, Frauenfeind

Der Name "Friederisiko" soll die Neigung des 1740 ins Königsamt geratenen Prinzen zu Tatendrang und Spontaneität zum Ausdruck bringen. Seit ein paar Tagen steht die Schriftskulptur vor dem Berliner Schloss Charlottenburg.

Harry Nutt ist Mitglied der DuMont Redaktionsgemeinschaft.

Groß und geheimnisvoll ist die Schriftskulptur, die seit ein paar Tagen vor dem Berliner Schloss Charlottenburg steht und von den Passanten nach Kräften in Gebrauch genommen wird. Manche gucken neugierig durch das „o“ hindurch, andere positionieren sich stolz auf einem „e“ oder „r“ und lassen sich fotografieren. Was „Friederisiko“ bedeutet und was es da soll, wissen nur wenige. Wissbegierige können immerhin unter www.friederisiko.de nachschauen.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg feiern schon mal vor. Am 24. Januar 2012 würde Friedrich II., genannt der Große, 300 Jahre alt. Die Stiftungen leuchten mit der strahlend blauen Skulptur eine Art Preußenjahr aus, dessen ganzes Ausmaß und Verweisungssystem sich erst in vagen Umrissen abzuzeichnen beginnt. Die Stiftungen und Preußen-affine Prominente haben sich zu einem „Kuratorium300“ zusammengefunden, um Friedrich als würdevolles Feierbiest in Erscheinung treten zu lassen. Zum Kuratorium gehören u.a. Wiebke Bruhns und Nina Ruge, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Goethe-Präsident Klaus-Dieter Lehmann, Manfred Stolpe und Christian Thielemann – Politik, Boulevard und Kunst.

Der Name Friederisiko soll die Neigung des 1740 plötzlich ins Königsamt geratenen Prinzen aus Rheinsberg zu Tatendrang und Spontaneität zum Ausdruck bringen. Mit seiner Flucht aus dem väterlichen Zwangskorsett hatte Friedrich nicht nur die Hinrichtung seines Freundes Katte zu verantworten, sondern auch noch eine Krise der europäischen Diplomatie seiner Zeit ausgelöst. Kaum zum König ernannt, machte er sich daran, seinen Feldherrenruf zu begründen.

Friedrich – Herrscher, Musiker, Frauenfeind. Mehr davon ganz sicher in den nächsten Monaten bis 2012. Auch über den Musenfreund und gelegentlichen Geistverächter. Nach eher enttäuschenden Erfahrungen mit Voltaire soll Friedrich gesagt haben: Wenn ich eine Provinz bestrafen möchte, schicke ich ihr einen Philosophen. Selten hat sich die Geschichte von Geist und Macht so zugetragen, wie sie hinterher am liebsten erzählt wird.

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