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Volkstheater Hessen Warum ihn der Schuh drückt

Funktioniert: Das Volkstheater zeigt in Frankfurt eine norddeutsche, ins Hessische übertragene Eifersuchtskomödie, „Der Anecker“.

Bei Aneckers: Jochen Nötzelmann und Myriam Tancredi. Foto: Stugrapho

Zum Theaterautor August Lähn weiß Wikipedia: „Lähn is 1867 in Prerow op’n Darß boren un in Bremerhoben opwussen. He hett en Lehr as Bookhändler maakt, is denn aver mit 20 Journalist worrn. (…) Sien bedüdenst Wark weer de ,Meister Anecker‘, den he 1940 rutbröcht hett.“ Moment mal, das ist eindeutig nicht Hessisch. Dennoch bringt jetzt das Volkstheater Hessen – die unverdrossene Nachfolge-Truppe des Volkstheaters von Liesel Christ – den „Anecker“ auf die Bühne: Regisseur Steffen Wilhelm hat als Übersetzer fungiert und die Komödie ins Hessische übertragen. So kommen jetzt Pannekuche und Grie’ Soß auf den Tisch und bringt, was Schustergeselle Martin gesoffen hat, „kaan annern mehr um“.

„Der Anecker“, wie es nun übertitelt ist, ist ein harmloses Stückchen über einen töricht, nicht gefährlich Eifersüchtigen. Der Stolz des Schustermeisters ist gekränkt, als der Beermaster (Bürgermeister) findet, dass ein neuer Schuh drückt. Und daraus, dass der junge Bürgermeister neuerdings so oft vorbeischaut, schließt er, dass dieser es auf seine Frau Lene abgesehen hat. Obwohl es da noch Lenes jüngere Schwester Lisbeth gibt. Ein Rosensträußchen auf dem Tisch genügt schon für schwerwiegenden Verdacht. Lene zieht erstmal aus, sollen doch die Kerle den Pannekuchen-Teig selbst rühren.

In den beengten, aber fast familiären Bedingungen des Kulturhauses Frankfurt, wo auch die Katakombe residiert, haben Philipp Fischer, Peter Teeuwen, Werner Weintzyk (Bühnenbau) eine ziemlich naturgetreue Schusterwerkstatt aufgebaut – inklusive Hämmerchen, Holzformen, sogar alter Werbeschilder für Ada-Ada-Schuhe: Von 1900 bis 1966 fertigte das Unternehmen in Frankfurt-Höchst. Die Kostüme von Claudia Rohde sind im Stil der 50er Jahre, Pünktchen- und Blumenkleider für die Damen.

Dumm wie’n alter Laatsche

Die Scherze und Beschimpfungen im „Anecker“ sind von bodenständiger Art, man ist „dumm wie’n alter Laatsche“ oder hat „ja woll e nasse Hud uff“. Regisseur Wilhelm hat auf tadelloses Timing geachtet. Die Darsteller scheinen es ihm aber auch nicht schwer gemacht zu haben. Myriam Tancredi ist eine resolute, pfiffige, nicht auf den Mund gefallene Schustersfrau, Katharina Veciana (manchem vielleicht aus dem Papageno-Musiktheater bekannt) als deren Schwester eine jüngere, aber keineswegs dümmere Variante. Tim Grothe überzeugt als recht schüchterner Bürgermeister, Andreas Walther-Schroth als nicht sehr heller, vor allem am Essen und am Schnaps interessierter Schustergeselle.

Dreh- und Angelpunkt aber ist Jochen Nötzelmann, ein fabelhaft miesepetriger, knurriger, ein langes Gesicht machender Franz Anecker. Nach des Bürgermeisters Beschwerde stürzt erstmal seine kleine Welt zusammen, man sieht es ihm an. Da ahnt seine Frau längst, warum den jungen Mann der selbstverständlich makellos gefertigte Schuh drückt.

Volkstheater Hessen, Kulturhaus Frankfurt: 8.-12., 15., 16. Februar. www.volkstheater.eu

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