Volkstheater Hessen Echt frankfurterischer Ausblick

Das neue alte Volkstheater Hessen setzt erneut die Pointen präzise in Adolf Stoltzes „Meister – Heister“, jetzt in der Frankfurter Katakombe zu sehen.

Heister und Meister beim Unfugtreiben: Johannes Schedl und Tim Grothe. Fotograf: StuGraPho

Das Frankfurter Volkstheater hat sich keineswegs verspekuliert, als es vor einem Jahr als Volkstheater Hessen und mit Adolf Stoltzes Stück „Verspekuliert“ in ein zweites Leben startete. Dies in den bescheidenen Räumen der Katakombe, es ist eng in den Sitzreihen, die Luft ist ein wenig, nun ja, abgestanden, aber das familiäre Zusammenrücken passt gut zur zupackenden, in bestem Sinn bodenständigen Machart dieses Theaters. Man merkt dem quicken Spaß eines weiteren Stoltze-Stückes die Arbeit nicht an, die es gekostet haben mag, die Pointen so präzise zu setzen. So soll es sein.

Während „Verspekuliert“ immer noch läuft, kommt jetzt „Meister – Heister“ dazu, ebenfalls von Adolf Stoltze (1842-1933), unehelicher Sohn von Friedrich. Der Einakter um zwei Studenten, von denen der eine Meister, der andere Heister heißt (Sie ahnen, auf was das rausläuft, nämlich auf „Heister heißt er“-Verwirrungs- und Wortgefechte), wurde von Regisseur Steffen Wilhelm vor allem mittels Musiknummern aus den 20ern und 30ern auf, mit Pause, gut anderthalb Stunden gestreckt. Sogar die Drei von der Tankstelle dürfen mit „Ein Freund, ein guter Freund“ ums Eck gucken (Musik: Gabriel Groh).

Es geht um Studenten, die auf zu großem Fuß leben – und, ehrlich gesagt, auch nicht so eifrig studieren, wie sie sollten (sonst wären sie auch kein Schwank-Material). Max Meister jedenfalls verpfändet für ein Faschingskostüm für sich und Lotte – er geht als Teufel, sie als Nonne – die eigenen zivilen Klamotten. Schlüpft in die von Moritz Heister, um das nötige Geld zu organisieren.

Bekanntes Schema, neue Wortattacken

Der Freund will so lange in Max’ Bett warten; kommt aber bald in die Verlegenheit, sich aus dem Schrank der Zimmerwirtin mit Frauenkleidern bedienen zu müssen. Als kesse Göre erschreckt er Meisters tugendhaften Onkel zutiefst. Man kennt das Komödienschema, aber noch nicht alle Stoltze’schen Wortattacken.

Eine Kammer mit idealtypischem frankfurterischem Ausblick (Malerei: Edwin Gut) ist in die kleine Bühne eingepasst. Der „Verspekuliert“-Besetzung passt nun auch „Meister – Heister“ ausgezeichnet.

Silvia Tietz ist hier die resolut-schlappmäulige Wirtin Pinschel, die ihrer Miete hinterherrennen muss, aber trotzdem mit einem Hering bereitsteht, wenn der Kater den Herrn Studenten plagt. Sabine Isabel Roller ist eine auch nicht gerade verdruckste Wäscherin, die ebenfalls Geld will. Andreas Walther-Schroth gibt diesmal den moralaposteligen Onkel namens Pennerich, der zu allem Überfluss Vormund der doch schon ordentlich emanzipierten Lotte Kletterrose ist.

Iris Reinhardt Hassenzahl spielt das „Bürofräulein“ als eine, zu der auch die wehrhaften Stacheln gehören. Sie hat außerdem just eine tolle Erbschaft gemacht, einen Hof in der „Wedderau“, den ihr geliebter Max, Tim Grothe, nach Herzenslust wird bewirtschaften können.

Der will nämlich Landwirt werden und nicht Magister. Erstmals beim neuen alten Volkstheater dabei ist Johannes Schedl als Moritz Heister, er fügt sich ein, als gehöre er seit Jahren dazu und sei Hessisch babbelnd aufgewachsen (ist er nicht).

Vor einem Jahr musste man sich noch fragen, ob das Volkstheater-Publikum mitzieht in die Katakombe, pardon, das Kulturhaus am Zoo. Nicht nur ist es offenbar fleißig gekommen, die Theaterleute haben ihm auch schon den zweiten guten Grund dafür gegeben.