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Volker Kühn ist tot Zum Tod des Kabarett-Autors Volker Kühn

Er schrieb für Dieter Hildebrandt und Wolfgang Neuss, er prägte und kannte das deutsche politische Kabarett wie kaum einer: Volker Kühn, Autor und Regisseur, Journalist und Forscher, Filmemacher und streitbarer Zeitgenosse, ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Volker Kühn ist mit 81 Jahren gestorben. Foto: dpa

Sein Leben und sein Beruf, der sich nicht so leicht beim Namen nennen lässt wie zum Beispiel der des Maschineningenieurs, drehten sich auf jeden Fall immer ums Kabarett, in allen Facetten und Schattierungen.

Als Redakteur des Hessischen Rundfunks, seit 1963, zog er mehr als zehn Jahre lang unter dem Titel „Bis zur letzten Frequenz“ eine satirische Monatsbilanz. Als Fernsehmacher entwickelte er 1973 zusammen mit Dieter Hildebrandt die ziemlich subversive ZDF-Reihe „Notizen aus der Provinz“. Als Bühnenautor und Regisseur dachte er sich Programme für das Berliner „Reichskabarett“ und für die „Wühlmäuse“ aus. Als Forscher schrieb er unter anderem das vielbeachtete Buch „Hitlers Künstler – Die Kultur im Dienst des Nationalsozialismus“ und erarbeitete die CD „Mit den Wölfen geheult“ zum selben Thema. Als streitbarer Zeitgenosse ließ er sich daraufhin mit Johannes Heesters auf einen Prozess ein, der damit endete, dass er weiterhin öffentlich erklären durfte, dass Heesters 1941 im KZ Dachau aufgetreten war.

Ein scharfer Beobachter der Gegenwart und Vergangenheit war Volker Kühn, Schriftsteller, Regisseur, Journalist, Filmemacher, Kabarett-Experte, aber er war auch ein guter Freund, namentlich den Kollegen Hildebrand und Wolfgang Neuss, dessen literarischer Nachlassverwalter er nach Neuss’ Tod 1989 war. Ihm verdanken wir „Das Wolfgang Neuss Buch“. Beiden schrieb er Texte und wurde auch dadurch zu einem der wichtigsten, kreativsten Lieferanten für das deutsche politische Kabarett.

Zur Welt kam Volker Kühn 1933 in Osnabrück. Besser passte er nach Berlin, wo er dann auch jahrzehntelang lebte und für die unterschiedlichsten Theater arbeitete. Am erfolgreichsten wurde seine deutsche Bühnenfassung von Pam Gems „Marlene“, mit Judy Winter am Renaissance-Theater und nachher überall im Land zu sehen. Auch die Frankfurter hatten weiterhin etwas von ihm, nicht zuletzt, weil seine Frau Katherina Lange in der Peter-Eschberg-Zeit am Schauspiel Frankfurt engagiert war. Für sie schreib er hier etwa den Friedrich-Hollaender-Abend „Das Wunderkind“ (1996). Mehrfach arbeitete er mit dem Ensemble Modern zusammen an Produktionen der Alten Oper.

In der Nacht zum Sonntag ist Volker Kühn nach langer Krankheit 81-jährig gestorben, wie seine Frau mitteilte.

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