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Theater Willy Praml Einen Jux wollen sie sich machen

Und, o ja, sie machen sich einen: „Im arabischen Rössl ehemals Im weißen Rössl“ mit dem Theater Willy Praml in der Frankfurter Naxoshalle.

Szene aus dem „Arabischen Rössl“ vom Theater Willy Praml
Theater Willy Praml: Fidel wie eh und je im west-östlichen Rössl. Foto: Rebekka Waitz

Es ist vielleicht vor allem dieses rammdösig machende Unter-uns-Bleiben, das das Theater Willy Praml in seiner neuen Produktion so komplett beendet. Und dessen komplette Beendigung es so vergnügt und entspannt ausmalt. Je länger der Abend währt, und er währt gut drei Stunden mit Pause, desto offensichtlicher wird, dass das Ganze glücklicherweise keinen tiefen Sinn sucht, stattdessen aber tiefen Unsinn.

Ja, es stimmt, die Wirtin vom Weißen Rössl ist konvertiert und empfängt liquide Gäste aus Saudi-Arabien am Wolfgangsee. Selbst die Namen der Bergzipfel sind hier halal, während der reiche Opec (hier natürlich nun: von Opec) sich auf ein Schnitzel Wiener Art gefreut hatte. Der verliebte Kellner Leopold hat den Eindruck, als letzter Österreicher im eigenen Land nicht mehr erwünscht zu sein. In Kara-Ben-Nemsi-Montur tritt er zum letzten Gefecht an – dem Empfang für Bundeskanzlerin Merkel sowie der Eroberung Laila Bint Aladins vormals Josepha Vogelhuber –, bevor sich alles in Wohlgefallen auflöst. Ist nur eine Operette, will nichts anderes sein, erzählt trotzdem etwas über uns.

„Im arabischen Rössl ehemals Im weißen Rössl“ ist eine durchgeknallte Parodie auf Islamisierungsängste, mindestens so sehr ist es eine liebevolle Parodie auf den Zauber der Showbiz-Operette, dazu eine selbstironische Vorführung der eigenen Möglichkeiten, eine solche mit allem Pipapo in Szene zu setzen. Und vor allem feiert das Theater Willy Praml die Option, sich gemeinsam über alles Mögliche lustig zu machen. Ausdrücklich erinnert es daran, wie es vor 20 Jahren Ralph Benatzkys „Weißes Rössl“ in Bad Vilbel zeigte, in einer Zeit, als „die Deutschen allerhöchstens mit sich selbst beschäftigt waren“. Die neue Version bringt (erneut) das Praml-Ensemble zusammen mit geflüchteten Syrern auf die Bühne.

Die bekannten Rössl-Songs sind arabisiert

Der Mummenschanz, der neben Lederhose und Dirndl nun auch Fez und Schleier umfasst (Kostüme: Paula Kern), wird noch größer, die sprachliche Vielfalt ebenfalls, und am allerschönsten ist es für die Musik. Auf der Bühne sitzt Martin Lejeune in einer west-östlichen Combo – in der die orientalische Zither Kanun am eindrucksvollsten den nicht so abwegigen Transfer symbolisiert –, für die er arabisierende Musiken aus den bekanntesten Rössl-Songs vorbereitet hat. Den Titelsong oder die Salzkammergut-Nummer erkennt man nicht gleich, dann aber, und, äh, man kann sogar mitklatschen, wenn man unbedingt will. Anderes wirkt original, der schöne Sigismund, das Regentropfen-Lied, alles dargeboten mit jener Mischung aus stoischem Unterhaltungswillen und guter Laune, die singenden Schauspielern und einem Theater ohne große Bühnentechnik gut ansteht. So taucht Michael Weber – zuständig auch für Bühne und Dramaturgie – als Adonis Sigismund relativ spät auf, dann aber mit einem engagierten Auftrittslied, im Hintergrund verziert von einem Wasserballett der syrischen Pagen, die ohne Unterlass durch ein imaginäres Nass pflügen. Wer das mag, kann sich nicht satt sehen am Quatsch.

Das Lässige und das Ausgetüftelte, die Distanz und das Sich-Hineinstürzen, sie halten sich klug die Waage, und sind nicht alle kabarettistischen Witzchen 1a, so ist es allemal der Vortrag. Laila aka Josepha wird nämlich von Birgit Heuser gespielt, der denkbar abgebrühtesten Rössl-Wirtin, deren Leopold, Jakob Gail mit unfrisierter Haartolle, aus seinem berühmten „Zuschau’n kann i net“ einen besonders penetranten Wiederholungsspaß macht. Die syrischen Schauspieler Muawia Harb und Ramo Ali sind der Ölmilliardär Opec und der Rechtsanwalt Kadi, die nur leicht verdrehten Partien des nicht minder deplatzierten Piefkes Giesecke und des stets etwas langweiligen naseweisen Tenors (Ramo Ali ist überhaupt nicht langweilig). Während die Töpfchen ihre Deckelchen finden, die Opec-Tochter, Judith Speckmaier, oder die reizend lispelnde Jamila aus Duisburg-Marxloh, Violinistin und Sängerin Güldeste Mamac, ist der versiebenfachte Piccolo Dolmetsch und Kamel oder tanzt Schuhplattler. Es wird gejodelt, bedächtig. Sie wollen sich einen Jux machen, sie machen sich einen Jux.

Weniger juxig entwickelt sich das Brandschutz-Problem in der Naxoshalle. Vorab machte Willy Praml darauf aufmerksam, was inzwischen alles rückgebaut worden sei, denn auf keinen Fall wolle man trotzig wirken. Die Stadt, betonte Praml, wolle offenkundig keine Schließung der Halle. Vom heutigen Montag an solle es Gespräche über Lösungen geben.

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