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Theater Natürlich sind sie nicht zu alt zum Feiern

„Wir sind die Neuen“, eine Generationenstreit-Komödie im Frankfurter Rémond-Theater.

Den Jungspunden werden sie?s schon zeigen: Lutz Reichert (v.l.), Simone Rethel, Joachim H. Luger.

Passend zum Jubiläum stoßen im Rémond-Theater drei alt gewordene, aber noch immer gestandene 68er auf drei Studenten der Generation Ich-muss-für-die-Prüfung-lernen (deswegen kann ich gerade nicht leben). Anne hat einst 18 oder 19 Semester Biologie studiert, um später die Schleiereule zu retten und sich keine eigene Wohnung leisten zu können. Katharina steht, zack zack, vor ihrem Juraabschluss, ist überzeugt, dass bei Nichtbestehen Altersarmut droht und verliert die Nerven.

„Wir sind die Neuen“, ein Stück nach einem 2014 herausgekommenem Kinofilm von Ralf Westhoff, lässt die Oldies eine Retro-WG unter den büffelnden Grünschnäbeln gründen und die jungen Leute mit lauter Musik und Partys bis in die Puppen strapazieren. „Seid ihr nicht ein bisschen alt für das viele Feiern?“ So eine Bemerkung spornt erst richtig dazu an, vor vier Uhr morgens nicht ins Bett zu gehen.

Im Bühnenbild Thomas Peknys, in der Regie René Heinersdorffs kann von zwei Balkonen pantomimisch nach oben oder unten geguckt werden. Und wenn die Studenten auf den Boden klopfen, rieselt „unten“ der Staub von der Decke. Auch Abfall wird von oben runtergekippt, denn was ein ordentlicher 68er ist, der ignoriert selbstverständlich etwas so Spießiges wie eine Kehrwochen-Ordnung. Die jungen Leute rächen sich. Aber dann haben sie bald selbst so viele Probleme (Liebeskummer, Prüfungsangst, Rückenschmerzen), dass es vorbei ist mit dem Witzeln über den „Jurassic Park“.

Man rauft sich dann doch zusammen

Westhoff (die Bühnenfassung ist von Jürgen Popig) arbeitet natürlich mit Generationenklischees, aber er tut das ziemlich pfiffig. Und das Frankfurter Fritz-Rémond-Theater hat Darsteller-Prominenz für das 68er-Trio engagiert: Simone Rethel (sie sei doch zu jung, um Johannes Heesters zu kennen, lautet ein vermutlich eigens eingefügter Scherz), Joachim H. Luger, großen Teilen des Publikums gewiss als Vater Beimer aus der „Lindenstraße“ vertraut, und der ebenfalls fernsehbekannte Lutz Reichert. Als moralinsaure, sich erst unter dem heilsamen Einfluss der Alten lockernde Youngsters treten Katarina Schmidt, Julie Stark und Florian Gierlichs auf; letzterer war auch bei der Rémondschen „Feuerzangenbowle“ dabei.

Dass sich am Ende die Mieter oben mit den Mietern unten zusammenraufen werden, versteht sich von selbst. Beziehungsweise: nicht die Jungen greifen schließlich den Alten unter die Arme (Kisten schleppen, Einkaufen, in die Apotheke gehen), nötig wird es umgekehrt. Das auch zur Freude des mehrheitlich nicht mehr jungen Publikums.

Fritz-Rémond-Theater , Frankfurt: bis 11. Februar. www.fritzremond.de

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