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Theater Landungsbrücken Wer spielt, wer verliert

Der ungewöhnliche Thriller „Are You There“ in den Frankfurter Landungsbrücken.

Fast ein Hörspiel: ?Are You There? in Frankfurt.

Vom Suchen und Verschwinden, vom Warten, Bangen und Hoffen erzählt eine intrikate und vielschichtige kleine Inszenierung, die Eleonora Herder in den Frankfurter Landungsbrücken besorgt hat. „Are You There“ ist ein Spiel, auch mit den Erwartungen. Ein typisches Thriller-Geheimnis wird konstruiert, es lautet: Wo ist Eleonora Herder? Mittels dieses Geheimnisses werden auch aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen abgehandelt, wird auch von Unterdrückung und einem Flüchtlingsschicksal erzählt.

Rudi Carrell und Khomeini

Die Geschichte wird anhand von „Dokumenten“ – Videos, Soundfiles, Mails, etc. – aufgeblättert (der Dramaturg Tim Schuster versichert eingangs, sie seien alle fiktiv): Der Performer Malte Scholz (der Haupterzähler des Abends) wird eingeladen, in Teheran an einem Projekt der Regisseurin Eleonora Herder mitzuwirken (die beiden waren tatsächlich mal dort für ein Theaterprojekt). Aber als er ankommt, ist sie nirgendwo zu finden und tröstet er sich, wie er behauptet erstmal auf Teheraner Partys. Er fragt beim Goethe-Institut und erfährt, dass es in Teheran gar kein Goethe-Institut gebe, seit Rudi Carrell 1987 in „Rudis Tagesshow“ über Khomeini lästerte. Es wird gezeigt, wie der damalige Regierungssprecher Ost versuchte, die Lage zu entspannen. Das erinnert sehr an die heutigen diplomatischen Differenzen mit der Türkei, aber durch den zeitlichen Abstand ist es natürlich viel lustiger.

Beinah ist „Are you there“ ein Hörspiel – das Publikum hat auch Kopfhörer bekommen –, denn immer wieder treten Saeed Sedaghat und „Lela“ Herder (da ist sie ja!) vor Mikros, Sounddesigner Jan Mech mischt ihnen Hintergrundgeräusche dazu, manchmal stellen sie sie auch live her. Die Fluchterfahrungen Sedaghats sind in den Text eingeflossen. Das Warten auf den Schleuser in einem Haus am Strand. Die Anrufe beim Schleuser. Einmal ist das Wetter zu schlecht, um mit dem Boot loszufahren. Die Anrufe bei der Mutter. Irgendwann die Nachricht an sie, dass man es nach Deutschland geschafft hat.

„Welche Gesellschaften spielen hier gegeneinander?“, fragt einmal Malte Scholz angesichts vergangener und aktueller diplomatischer Verwicklungen. Und wer, kann man als Zuschauer ergänzen, kommt bei diesem „Spiel“ unter die Räder? „Are You There“ gibt denen, die ihr Land nicht mehr ertragen, in einer atmosphärisch dichten Inszenierung eine Stimme.

 

Landungsbrücken Frankfurt:

18. März. www.landungsbruecken.org

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