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Theater Landungsbrücken Alle unter einer Decke

„Die Verwandlung“: In den Frankfurter Landungsbrücken schickt Sarah Kortmann Publikum und Ensemble in Rücken- und Bauchlage.

E in Theater in einem beinahe undurchdringlichen Dunkel. Der weite Raum der einstigen Fabrikhalle ist mit einer schwarzen Tuchplane in geschätzt einem halben Meter Höhe überspannt. Im Kriechgang erreicht man unter Einweisung von vier Helfern in hautengen schwarzen Ganzkörper-Sportanzügen und Knieschützern – es sind die Schauspieler – seinen Platz und legt sich auf dünnen Matten auf den Rücken, in einer von mehreren sich durch die gesamte Länge des Raums ziehenden Reihen. Das erinnert ein wenig an ein Massenlager auf einer Berghütte.

Die Regisseurin Sarah Kortmann hat im Frankfurter Theater Landungsbrücken eine Adaption von Kafkas 1915 veröffentlichter parabelhafter Erzählung „Die Verwandlung“ gleichsam als Live-Hörspiel inszeniert. Die Geschichte um den sich eines Morgens mit einem Schlag in die abstoßende Gestalt eines abstoßenden Ungeziefers verwandelt sehenden Handlungsreisenden wird unter Weglassung von Nebensträngen in einem Surround-Verfahren erzählt.

Im Dunkel zeichnen sich die Umrisse der am eigenen Kopf und an den Füßen kriechend ihre Bahnen ziehenden Schauspielerinnen und Schauspieler ab – Daniela Fonda, Sarah Kortmann, Ole Bechtold und Julian König. Klack klack klack klingt die schleppende Perkussion der auf dem Boden aufsetzenden Knieschützer, gleichsam als Teil der anfänglich durch ein ostinates Wummern und einen ebensolchen Fiepton gekennzeichneten Klangspur.

Dazu ein paar mundgemachte Geräusche, die sich keineswegs in einer kunsthandwerklichen Hübschheit gefallen. Die Stimmen der Schauspieler sind zum Teil über Lautsprecher zu hören.

Der Text wird ansatzweise als Sprechpartitur aufgefasst und an entsprechender Stelle auch dialogisch aufgeteilt. Vergisst man einmal das Drumherum, das beim Publikum eine belustigte Stimmung wie bei einer anstehenden Exkursion hervorruft, bleibt die Inszenierung in ihrem Kern dann doch wohltuend nüchtern im Umgang mit Kafkas Sprache – die sich ja ihrerseits durch eine nüchtern präzise Darstellung der Dinge auszeichnet. Abgesehen leider allerdings von ein paar widrigen Einfällen. Vollends abgedroschen: eine wie beim Senderwechsel am Radio gefügte Collage aus Pop- und Schlagernummern um die Einsamkeit sowie der alberne Einschub einer Sportreportage.

Schade, denn von diesen zwei, drei Macken abgesehen handelt es sich um eine einlässliche Arbeit am Text. Insoweit ist der Nachweis gelungen, dass es sich bei dieser Präsentationsform um mehr als eine blanke Spielerei handelt.

 

Landungsbrücken Frankfurt: 8.-10. Juni. www.landungsbruecken.org

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