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Theater Kariert und aufgekratzt

„Das Gespenst von Canterville“ bei den Maifestspielen Wiesbaden.

Das Gespenst von Canterville
Das Gespenst von Canterville bei den Maifestspielen. Foto: Andreas Etter

Manchmal ist es auch ein Vorteil, wenn man aus den USA kommt und durch nichts Verrücktes mehr erschreckt werden kann. Dann zumindest ergreift man in unheimlichen Momenten nicht einfach die Flucht und lässt prächtige Bauwerke verfallen. So ergeht es Mr H.B. Otis (Thomas Jansen) mit seiner Familie. Angst vor Gespenstern passt nicht zum Realitätssinn dieses von Oscar Wilde erfundenen amerikanischen Botschafters. Unbefangen kauft er zu einem Spottpreis ein britisches Schloss, um mit seiner Frau Mrs Lucretia Otis (Sophie Pompe) und seinen Kindern Virginia (Melissa Breitenbach), Maximilian (Gedeon Höfer) und Morrison (Andeas Berger) dort einzuziehen.

In einer eigenen Theaterfassung hat Regisseur Carsten Kochan jetzt die Geschichte über „Das Gespenst von Canterville“ im Rahmen der „Jungen Woche“ der Internationalen Maifestspiele am Staatstheater Wiesbaden für Kinder ab acht Jahren inszeniert. Der Ton ist komödiantisch locker. Mit karikierenden Überzeichnungen entsteht eine unterhaltsam witzige Atmosphäre, die üblich geworden ist, wenn für Kinder inszeniert wird.

Temperamentvolle Virginia

Im britischen Umfeld wirkt die amerikanische Familie in ihrer auffällig karierten Kleidung (Bühne und Kostüme: Claudia Weinhart) wie ein Fremdkörper. Ohne Zögern nimmt sie ihr neues Zuhause in Besitz. Gekauft hat sie nicht nur die Mauern des Schlosses, sondern auch das gesamte Inventar inklusive der Haushälterin Mrs Ann Umney (Elke Opitz). Diese zeigt ganz britische Geduld und Hingabe. In ihrem langen schwarzen Kleid bildet sie auch optisch den passenden Kontrast zur bunten Otis-Familie.

Während das Jungen-Duo, das mit roten Haaren und Matrosenhemd eine feste Einheit formt, ständig zu Streichen und kleineren Flegeleien aufgelegt ist, übernimmt Virginia, die wunderbar temperamentvoll von Melissa Breitenbach gegeben wird, die Seite des klugen, menschliche Aufmerksamkeit und Anteilnahme zeigenden Mädchens. Als pubertierender Querkopf nähert sie sich Cecil Duke of Cheshire (Tom Gerngroß) an und wehrt sich gegen verniedlichende Anrede und Bevormundung. Sie ist es auch, die die irritierenden Veränderungen in der Umgebung erkennt und am Ende mutig löst.

Erster Störfaktor ist ein blauer Fleck auf dem Boden des alten Schlosses. Ganz in der Nähe hängt ein großes Porträt des einstigen Besitzers Sir Simon de Canterville. Als Geist (Uwe Kraus) tritt dieser aus dem Bild heraus und wehrt sich mit wachsender Empörung gegen den Versuch, den Fleck mit einem Superputzmittel dauerhaft zu beseitigen. Mit Blitz und Donner und geisterhaft erscheinender Energie zaubert ihn Sir Simon immer wieder zurück. Der Wettkampf zwischen ihm und Lucretia wird zum Ritual, der das Gespenst immer enger mit der Familie verbindet.

Dieses Ritual gibt der Inszenierung ebenso wie sich wiederholende witzige Gute-Nacht-Rufe und wiederkehrende Sprüche der Jungen eine klug gestaltete Rhythmik, die hilft, das Geschehen klar zu ordnen.

 

Staatstheater Wiesbaden: 21. 5, 17. 6. .

www.staatstheater-wiesbaden.de

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