Lade Inhalte...

Theater in Berlin Die Tücken der Harmonie

Postdramatische Utopien am Gorki und am Deutschen Theater – wo kommen wir denn da hin?

Cry Baby
Sophie Rois, barmend in „Cry baby“. Foto: Arno Declair

Besonders hübsch ist ein Duett, das die Steigerung der Lust durch eine detaillierte Vertragsaufsetzung vor dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr besingt, und das sich unvermeidlich zum Quartett (mit Anwälten) auswächst. Und der Männlichkeit wird schmissig und schwungvoll geraten, sich mindestens einmal im Leben penetrieren zu lassen. Die magische Hintertür werde aufgestoßen, ein Weg ins Innere gefunden und mithin das Herz geöffnet. Eine Erfahrung, die solche weltverändernden Leute wie Trump, Hitler, Freud und Justin Bieber verpasst hätten. Ist das die Lösung?

Auf die Auslebung von Lust der Einfachheit halber zu verzichten, dazu sind die in Bademänteln auftretenden Spieler jedenfalls nicht bereit. Die erotisch aufgeladenen Gesangsstimmen von Lindy Larsson und Riah May Knight oder die begehrlichen Fleischfresserblicke von Orit Nahmias müssen irgendwie kontrolliert und zivilisiert abgefangen werden. Eine Utopie muss her, und die Losung heißt: Schluss mit der Dominanz, her mit dem Konsens! Alle sollen mit allem einverstanden sein.

Gute Idee, die aber den Tod des Theaters bedeutet. Zumal in diesem Fall auch noch die Hierarchie zwischen Publikum und Bühne aufgegeben wird und man sich nach einer Pause in einer von fünf Gruppen wiederfindet, die sich zu therapeutischen Workshops versammeln. Ein dicker Meta-Joke oder praktische Weltverbesserung?

Es gibt Nähe-Distanz-Spiele zu Wohlfühlmusik, man ist eingeladen, ein Gegenüber zu finden, zu konversieren, symbolische Masken lästiger Konventionen abzustreifen, einander in die Augen zu blicken und sich vielleicht, nach angezeigter Übereinkunft, auch fünf Sekunden lang zu umarmen.

Gorki-Theater, Berlin: „You are not the hero of this story“ 13., 14. September. „Yes but no“ 13., 28. September. www.gorki.de

Deutsches Theater, Berlin: „Cry baby“ 13., 21. September. www.deutschestheater.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen