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Theater Das Rad als Spielball

Die Erben Bernd Neumanns schalten sich in den Streit über den Standort des Volksbühne-Symbols ein.

D ie Geschichte des Rades geht weiter. Und selbst im Umfeld der Volksbühne am Rosa-Luxemburg ist man sich nicht sicher, in welche Richtung sie sich noch drehen wird. Im Gespräch mit der FR (12. Mai) jedenfalls bezweifelte der Schauspieler Milan Peschel, dass „die Volksbühne“ will, dass das Rad wegkommt: „Was heißt, die Volksbühne! Frank will das. “

Frank, das ist der scheidende Intendant Frank Castorf, und der hatte zuletzt mit der Idee geliebäugelt, das legendäre Rad, das der nicht weniger legendäre Bühnenbildner Bert Neumann 1994 für eine Inszenierung von Schillers „Räubern“ entworfen und angefertigt hatte, vorübergehend zum Theaterfestival nach Avignon mitzunehmen. Das Volksbühnenrad war zuletzt zum vielfach codierten Symbol geworden. So schien man bei der Volksbühne zu befürchten, mit dem Intendantenwechsel zum designierten Kulturmanager Chris Dercon zum Spielball einer eventgetriebenen Kulturpolitik zu werden.

Nun kommt neue Bewegung in die Angelegenheit und die einfache Dichotomie von Freunden und Feinden der Volksbühne wird erweitert. In den Streit über den Verbleib des Rades haben sich die Erben des Bühnenbildners Bert Neumann eingeschaltet. Über ihre Anwälte teilen Leonore Blievernicht-Neumann und ihr Sohn Leonhard der Volksbühne mit, dass sie den Plänen Castorfs nicht zustimmen, die Skulptur im Rahmen des Theaterfestivals Avignon zu zeigen. „Eine Ausstellung der Skulptur in Avignon würde das Urheberpersönlichkeitsrecht unserer Mandanten verletzen. Unsere Mandanten stimmen einer Ausstellung des Kunstwerks in Avignon nicht zu“, heißt es in dem Schreiben der Anwälte. Bei der Skulptur handele es sich um ein ortsspezifisches Kunstwerk. Eine räumliche Veränderung des von Neumann geschaffenen Rads wäre demnach eine Verletzung des Urheberpersönlichkeitsrechts.

Die Anwälte der Erben von Bert Neumann gehen in ihrer Argumentation insbesondere auf die topografische Begebenheit des aktuellen Standorts ein. „Die für das Werk konstitutive innere Verbindung mit dem Ort seiner Ausstellung liegt nicht zuletzt dadurch auf der Hand, dass Bert Neumann das Räuberrad zugleich zum Logo des Theaters Volksbühne gewidmet hat. Die Skulptur ist so installiert, dass sie bei frontalem Blick auf den Eingang der Volksbühne von der Rosa-Luxemburg-Straße aus zentral in der Sichtachse liegt. Ein Auseinanderreißen dieser symbolträchtigen räumlichen Verbindung von Skulptur und Spielstätte würde das Kunstwerk seiner spezifischen Aussagekraft berauben und es in seinem Wesen umgestalten und entstellen.“

Die Anwälte gehen davon aus, dass der Urheber jede Umstellung eines ortsspezifischen Kunstwerkes untersagen kann. „Die Umsetzung des ,Räuberrads‘ als Metallskulptur im Jahr 1994 erfolgte einzig zu dem Zweck der Aufstellung auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor der Volksbühne.“ Das Anwaltsbüro Bauschke Braeuer fordert das Land Berlin, vertreten durch die Volksbühne, dazu auf, die Ausstellung des Rades an einem anderen Ort zu unterlassen.

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