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Tanzfestival Rhein-Main Mit harschem Tanz Botschaften überbringen

„Story Water“, eine überzeugende Kooperation des Choreografen Emanuel Gat mit dem Ensemble Modern.

„Story Water“
Zeichen senden, auch lautlos: Szene aus „Story Water“. Foto: Julia Gat

Es war wohl das für Kooperationen stets offene, stets neugierige Ensemble Modern, das den ersten Schritt tat, aber der israelische Choreograf Emanuel Gat (Student der Musik, ehe er sich dem Tanz zuwandte) scheint sich keinen Moment geziert zu haben: So stehen nun das Frankfurter Orchester und die Company Gats gemeinsam auf einer Bühne, jetzt der des Frankfurt LAB. „Story Water“ hatte im Sommer in Avignon Uraufführung, nun war das 75-minütige Stück ein Höhepunkt des in der Hauptsache vom Mousonturm ausgerichteten Tanzfestivals Rhein-Main.

Alle Mitwirkenden marschieren herein und tragen Weiß (Kostüme Thomas Bradley): 11 Tänzer, 13 Musiker, dazu Dirigent Josep Planells Schiaffino. Die Tänzer werden sich später bis auf die Unterwäsche ausziehen, dann große papierartige Teile wieder anziehen, dann in Farbiges wechseln - außer einer, der viele der Papierkostüme übereinanderziehen und als seltsames, unförmiges, rumpelstilzchenhaftes Männlein erscheinen wird.

Emanuel Gat hat wie seine israelischen Kolleginnen und Kollegen Sharon Eyal, Yasmeen Godder, Itzik Galili, Hofesh Shechter eine ganz eigene, ganz eigenwillige Bewegungssprache – die in ihrer Einfärbung jeweils Bezug nimmt auf die Musik, sich gleichberechtigt spiegelt in der Musik. Fließend, gar anschmiegsam ist der Gat’sche Tanz eigentlich sowieso nicht, aber an diesem Abend begegnet er der harschen Musik mit viel Schroffheit und Eckigkeit, mit abrupten Abbrüchen, einem permanenten Stop-and-go. Aber auch mit Skurrilitäten: mal ist das ein hasenartiges Hüpfen, mal ein Miniwippen im Schneidersitz, mal ein Hampelmann-Exerzieren, dann stopft sich eine Tänzerin alle fünf Finger in den Mund, dann schreit eine den Kollegen lautlos an. Und falls es nicht lautlos sein sollte, wird es von der Musik übertönt.

Die Kompositionen: Emanuel Gat und das Ensemble Modern haben sich für Spitzig-Nervöses von Pierre Boulez entschieden („Dérive 2 für elf Instrumente“), für dunkel Grummelndes, gelegentlich furios Aufdonnerndes von Rebecca Saunders („Fury II für Kontrabass solo und Ensemble“) und schließlich für eine Zusammenstellung Gats, die unter dem Titel „FolkDance“ Trommelmusik und Melodien von Taiwan bis Bulgarien zusammenbringt, prominent darin das amerikanische „Dixie“. Aus einem diesen dritten Teil einleitenden Stimmengemurmel hebt sich ein Satz heraus, der diese Südstaaten-Propaganda das vielleicht rassistischste aller Lieder nennt.

So ist also auch der Volksmusik-Teil keineswegs ein versöhnliches Ende zu einem Abend, der die Ellenbogen ausfährt, der keinen Augenblick schön sein will und sowohl die Musik als auch die Bewegungen eine barsche Sprache sprechen lässt. Emanuel Gat gelingt dabei fast eine Quadratur des Kreises, denn die Choreografie erzählt nichts, zeichnet keine Charaktere, ist Tanz um das Tanzes willen. Sie vermittelt andererseits eine spezifische Stimmung, lässt – „Story Water“ – durchaus Botschaften durchsickern wie Wasser. Der Titel soll sich auf ein Sufi-Gedicht beziehen über das Wasser als Vermittler zwischen Haut und Hitze. Hier schafft der Tanz diese Verbindung, man versteht ihn instinktiv.

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