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Tanz Wenn Energie sich ballt

Die Amerikanerin Nicole Caruana überzeugt beim 31. Internationalen Wettbewerb für Choreographie in Hannover.

Arba
Originelle Bewegungsfindung in Nicole Caruanas „Arba“, die Choreografin hier selbst vorneweg. Foto: Admill Kuyler

Der Tanz ist eine arme Kunst. Das springt einmal mehr ins Auge, wenn Duo nach Duo von denen getanzt wird, die das Stückchen auch choreografiert haben und also nur sich selbst ausbeuten müssen. Um den Tanz kümmern sich aber auch immer wieder Enthusiasten und Überzeugungstäter; zu denen gehört die Ballettgesellschaft Hannover, die im bereits 31. Jahr den Internationalen Wettbewerb für Choreographie Hannover ausrichtet. Wieder galt es, junge Choreografen (die Altersgrenze ist 35) und Tänzer aus der ganzen Welt zu beherbergen, ihre kleinen Stücke im Theater am Aegi einzurichten, zwei Vorrunden und ein Finale abzuwickeln – und am Ende natürlich die Preise zu vergeben. So zahlreich wie die Geldpreise sind in den vergangenen Jahren die Einladungen zu Produktionen geworden (man ist nun bei fünf, plus ein Stipendium), man hilft jungen Talenten damit womöglich mehr als mit dem Geld.

Es gab bis in den Sonntagabend hinein in diesem 31. Jahrgang wie stets nicht wenige Duos zu sehen (ein Solo, so die Vorschrift, darf nicht vom Choreografen selbst getanzt werden, das verhindert immerhin den Ein-Mann- oder Eine-Frau-Betrieb), erstaunlich war daran, wie viele Variationen auf das Paar-Thema den jungen Tanzschöpfern immer noch einfallen.

Besonders energiegeladen bei dem Spanier Mario Bermudez Gil, dessen Zweierstück „Buscando“ eine eher herbe Beziehungskiste zu behandeln scheint. Hübsche Zärtlichkeit und originelle Hebefiguren gab es von Victor Launay und Sara Olmo („L’Aveuglement“), aber wie bei einigen anderen Paaren war es auch hier fraglich, wie gut sich dieses Werk übertragen lässt, das auch wegen des erheblichen Größenunterschieds zwischen Launay und der superzierlichen Olmo so gut funktionierte.

Zwar braucht man auch für „Decipher“ von Mohamad Sufri Juwahir aus Singapur speziell begabte Tänzer, da diese zu indischer Tabla-Musik geschwindigkeitsmäßig geradezu hexen können müssen, aber der an den Mainzer Kammerspielen residierende Stéphen Delattre lud Juwahir ein, „Decipher“ für seine Company einzustudieren. Für das quicke, gut gelaunte, trotzdem dramaturgisch sorgfältig gefügte Tanzstück, das mit neckischem Kopfwackeln beginnt, gab es außerdem den Publikumspreis und den zweiten Preis der Choreografenjury, der in diesem Jahr die Heidelberger Tanzchefin Nanine Linning vorstand.

Die Kritikerjury (zu der die Verfasserin gehörte) entschied sich für „Watcher“ von Hung-Chung Lai aus Taiwan, ein Trio von bestechender formaler Reife und Raffinement der Bilder. Es mag sich da ausgezahlt haben, dass der Choreograf einmal nicht mittanzte, von außen draufgucken konnte.

Während die Tanzkritikerjury noch schwankte und diskutierte, hatte sich die Choreografenjury schon für einen anderen Kritiker-Favoriten entschieden, eine Favoritin vielmehr, und setzte sie auf den ersten Platz: Die Amerikanerin Nicole Caruana, die in New York am Conservatory of Dance noch studiert, ließ doch in ihrem Vier-Personen-Werk „Arba“ schon ein hohes Bewusstsein für Tempi, Wendungen, Gruppierungen erkennen, für Energieballungen, kurzes Innehalten, den Fluss der Bewegung wie das Finden überraschender Bewegungsvarianten. „Arba“ war eines der ganz wenigen Stücke (von insgesamt 19), die man sich auch erheblich länger hätte vorstellen können. Die Obergrenze für Wettbewerbsbeiträge liegt bei 12 Minuten.

Nicht wenige, die sich einst in Hannover mit einer Mini-Arbeit vorstellten (und beeindruckten), haben es irgendwo zum Tanzchef gebracht, haben sich einen Namen gemacht. Dafür lohnt sich die Mühe, die diesmal unter anderem darin bestand, 249 Bewerbungen, also 249 Videos zu sichten.

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