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Symposium Kultursenator setzt für Volksbühne auf „Exzellenz“

Jahrzehntelang galt die Berliner Volksbühne als Vorzeigetheater. Der Streit um die Nachfolge von Regie-Ikone Frank Castorf hat sie in eine tiefe Krise gestürzt. Wie geht es weiter?

17.06.2018 15:37
Berliner Volksbühne
Wie geht es weiter an der Volksbühne in Berlin? Foto: dpa

Berlins Kultursenator Klaus Lederer setzt bei der Suche nach einem neuen Intendanten für die umkämpfte Volksbühne vor allem auf „künstlerische Exzellenz“. Nach einem zweitägigen Symposium zur Zukunft des traditionsreichen Hauses sagte der Linken-Politiker am Samstag: „Die Volksbühne muss im Kern erstmal eines leisten - hervorragendes Theater zu spielen.“

Dabei schloss er nicht aus, dass die Suche nach einem Nachfolger für den legendären Intendanten Frank Castorf länger als bis zum Jahresende dauern könnte.

Das im einstigen Ost-Berlin gelegene Haus gilt international als Aushängeschild für politisch engagiertes, linkes Theater. Es steht vor einem Scherbenhaufen, nachdem der zunächst als Nachfolger berufene belgische Museumsmacher Chris Dercon sein Amt im April nach weniger als einem Jahr aufgegeben hatte. Ihm war von Castorf-Anhängern in einem erbitterten Streit vorgeworfen worden, das Ensembletheater zu einer internationalen „Eventbude“ zu machen.

Die leidenschaftliche und kontroverse Diskussion bei dem Symposium in der Berliner Akademie der Künste zeigte, wie tief die Gräben immer noch sind. Es war von einem „kulturpolitischen Gewaltakt“, einer „Zerstörung“ und einer „Entsorgung“ der Volksbühne die Rede.

Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, mahnte mehr Offenheit in der Diskussion an. Das Theater habe eine „wunderbare Truppe“, sollte aber auch offen sein für andere Darstellungsformen wie Tanz oder Performances. „Man sollte das nicht dogmatisch beantworten.“

Die Theaterkritikerin Esther Slevogt („Nachtkritik.de“) forderte von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) eine Entschuldigung für die Berufung Dercons. „Ich glaube, dass man die Zukunft nicht gestalten kann, wenn man nicht befriedet und aufarbeitet, was da passiert ist.“

Müller hatte Dercon auf Vorschlag seines damaligen Staatssekretärs Tim Renner berufen. Lederer sagte, die Entscheidung sei damals „ziemlich einsam und auch nicht ehrlich“ getroffen worden.

Derzeit wird die Volksbühne von Klaus Dörr als Interimschef geleitet. Der bisherige Stuttgarter Theatermacher soll bis Sommer 2020 bleiben. Dies verschaffe Zeit und Luft für die weitere Suche, so Lederer. „Erstmal ist die Aufgabe, die Maschinerie des Hauses als sozialen Organismus wieder hochzufahren.“

Der Kultursenator sagte zu, nach dem Dialog vom Wochenende auch weiter offen für Gespräche zu sein. „Wir können jetzt nicht irgendeine Idee nehmen und die den Mitarbeitern überstülpen. Das wird nicht funktionieren.“

Das Theaterkollektiv „Staub zu Glitzer“, das die Volksbühne im vergangenen Jahr sechs Tage lang besetzt hatte, forderte, das Haus weiter für gesellschaftliche Debatten zu nutzen. (dpa)

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