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"Superhero" in Wiesbaden Letzter Wunsch eines Teenagers

"Superhero", ein Musical um einen todkranken Jungen, der sich in eine Comicwelt träumt, zeigt ein junges Ensemble am Wiesbadener Staatstheater.

Von der Rocky Horror Show inspiriert. Foto: Lena Obst

Ein 14-Jähriger, der Krebs hat und bald  sterben wird. Eltern, deren Ehe darüber zu zerbrechen droht. Ein Psychologe, der dem todkranken Jungen einen letzten Wunsch zu erfüllen versucht, auch wenn er deswegen dann seinen Job verliert. Und dem wiederum der Junge einen entscheidenden Lebensrat geben kann. Das Stück „Superhero“ des Neuseeländers Anthony McCarten, das als Roman begann, hat alle Ingredienzien eines rührenden Blockbusters. Der einen kleinen Schuss Verwegenheit dadurch erhält, dass der letzte Wunsch des Teenagers lautet: Ich möchtev nicht als Jungfrau sterben.

McCarten selbst und Paul Graham Brown (Musik und Liedtexte) haben „Superhero“ auch noch zum Musical umgearbeitet, die Regisseurin und Choreografin Iris Limbarth und der musikalische Leiter Frank Bangert haben es jetzt unter der neuen Überschrift „Junges Staatsmusical“ in bewährter Manier im Kleinen Haus des Wiesbadener Staatstheaters mit jungen begabten Laiendarstellern einstudiert.

Drei Stunden lang lässt man sich in keiner Weise lumpen. Die Tatsache, dass der kranke Donald alias Superhero sich zeichnend in Comicwelten hineinträumt, bietet aber auch optisch famose Möglichkeiten: Kostümbildnerin Heike Korn hat sich mit Lack und Leder, Strapsen und Gruselschminke sichtlich von der „Rocky Horror Picture Show“ inspirieren lassen. Und auf einem von Fall zu Fall gesenkten Gazevorhang entstehen immer wieder Räume und weitere Figuren aus projiziertem Zeichenstrich (Comic-Artwork: Benjamin Bartenstein). Die Szenen wechseln schnell, die Bühnenarbeiter rollen alle paar Minuten eine neue Sitzgruppe rein, und vorne steigen die Comicfiguren aus der Tiefe auf und versinken.

Es ist eine große, feine (Uraufführungs!-)Produktion, das Thema dazu wie geschaffen für ein Jugendstück. Marcel Herrnsdorf, der am Premierenabend den blass-schlaksigen, wegen der Chemo haarlosen Donald spielt, ist sowohl ein cooler, das miese Schicksal beschimpfender Rapper, als auch später ein trostloses Kind. Felicitas Geipel und Norman Hofmann (beide seit Jahren beim Jungen Staatstheater) überzeugen als kämpfende, hadernde Eltern, Tim Speckhardt als Dr. Adrian King, der – natürlich ein großer Spaß fürs Publikum – ein regelrechtes Prostituierten-Casting macht, um die Richtige für Donald zu finden. Aber Szenenapplaus gab es gefühlt alle fünf Minuten.

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