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Staatstheater Mainz Traumtänzer im silbrigen Mondlicht

Tanzmainz zeigt eine kleine Uraufführung von Alexandra Waierstall und eine großartige Wiederaufnahme.

"Im Orbit", ein Tanzstück wie ein breiter ruhiger Fluss. Foto: Andreas Etter

Dieses Stück ist tatsächlich ein Coup, ein Bewegungs-Füllhorn, das Publikum an diesem Abend im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters erhebt sich und will kaum aufhören zu klatschen: „Fall Seven Times“ von dem Choreografenduo Maria Campos und Guy Nader, er Libanese, sie Spanierin, ist vergangenes Jahr mit dem Theaterpreis „Faust“ ausgezeichnet und nun in Mainz wieder in den Spielplan genommen worden. Das Fallen, aber auch Aufgefangen- und Festgehaltenwerden, das Schweben, Kippen, Herabgleiten, nicht zuletzt das noch und noch einmal Wiederaufstehen sind sein Thema. In einem schlichten weißen Raum, zu repetitiver, stark rhythmusbetonter Musik von Miguel Marin packt dieses Tanzstück alle spektakuläre Kraft in die Bewegung.

„Fall Seven Times“ ist rund eine Dreiviertelstunde lang, Ballettdirektor Honne Dohrmann polstert den Abend also ein wenig auf mit einer gut zwanzigminütigen Uraufführung von Alexandra Waierstall. Die auf Zypern aufgewachsene Choreografin arbeitet seit 2004 in Düsseldorf, häufig arbeitet sie außerhalb von Theatern, für Museen oder im Stadtraum.

Für fünf Mainzer Tänzerinnen und Tänzer ist nun „Im Orbit“ entstanden, ein elegantes, sorgfältig gefügtes und silbrig getöntes Stück – das dadurch vielleicht ein bisschen zu edel wirkt. Traumtänzer scheinen sich hier „Im Orbit“ zu befinden, der Grundton ist einer der Harmonie und Gemessenheit.

Ausstatterin Lucia Vonrhein hat sich für die Tänzer hellgraue, schimmernde Hemdchen und Höschen ausgedacht, im Hintergrund bauscht sich zu Anfang und für eine Weile ein zarter grauer, seidiger Vorhang in milden Riesenwellen. Manchmal sind die Tänzer in Lichtmuster gebadet wie Reflektionen von einer Wasseroberfläche. Auch der Boden spiegelt. Und die Musik von Hauschka und Marios Takoushis zirpt und vibriert, setzt sich mit dezentem, trotzdem leicht enervierendem Quietschen im Ohr fest oder legt sphärisches Brummen und Dauertönen unter.

Alexandra Waierstall bevorzugt hier die runde, sanft kreiselnde, durch Anstoßen des Nachbarn weitergegebene Bewegung. Die fünf Tänzerinnen und Tänzer bilden kleine Reihen, wiegen und biegen sich in scheinbar zufällig entstehendem Gleichklang der Körper. Manchmal schließen sie die Augen, halten inne wie verwundert. Man könnte auch meinen, die fünf träumen auf einer mondbeschienenen Waldlichtung vor sich hin.

Ebensowenig wie bei Nader/Campos wird hier eine Geschichte erzählt oder werden Charaktere herausgearbeitet, „Im Orbit“ ist ein Tanzstück wie ein breiter ruhiger Fluss. Es steht dazu, dass es keine Stromschnellen, keine artistischen Aktionen einbaut. Aber es wird dadurch nach der Pause von „Fall Seven Times“ auch umgehend und ziemlich mühelos an die Wand getanzt. Das wäre aber vermutlich den allermeisten Choreografen nicht anders ergangen, es ist ein bisschen gemein, sich den Abend mit einem solchen Tanzcoup teilen zu müssen.

Staatstheater Mainz, Kleines Haus: 24., 29. September, 7., 12., 13. Oktober. www.staatstheater-mainz.com

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