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Staatstheater Mainz Spielende Kerle

Das Tanzfestival „Update“ blickt mit zwei Choreografien aus den Niederlanden in die Zukunft.

Joseph Simon
Joseph Simon, sich verbiegend in „Infinite Games“. Foto: Lys Y. Seng

Das kleine Mainzer Tanzfestival „Update“ will auf den Stand der Dinge bringen. Es lässt auch zumindest erahnen, was junge Choreografen beschäftigt und mit was sie ihren Körper beschäftigen. Formen des Hip-Hop spielen allemal eine Rolle, man mischt aber ganz unbefangen Stile, ist mittlerweile auch weit entfernt vom Hip-Hop als purem Imponiergehabe, gar als „Battle“.

Aus einem konsequent ausgeführten Gegensatz bezieht „Even Worse“ von Guilherme Miotto Spannung und Pfiffigkeit. Denn drei Tänzer (Shane Boers, Simon Bus, Evangelos Biskas) stellen sich da mit nacktem Oberkörper und knielanger Sporthose auf, als wollten sie zu einer Battle antreten. Dann beginnen sie mit winzigen Hopsern wie Aufziehfigürchen. Wenn sie nach einer ganzen Weile zu größeren Bewegungen übergehen, sieht man momentweise ihr Können und ihre Kraft. Gleichzeitig wirken sie ein wenig – töricht. Begriffsstutzig. Ratlos. Sie machen Gesichter, als wüssten sie nicht recht, was sie hier eigentlich sollen und wie sie zueinander stehen: Der coole Breakdancer als Würstchen, dessen stolze Brust immer wieder zusammenklappt.

„Even Worse“ macht eine knappe Stunde lang keine Zugeständnisse an die Gefälligkeit, auch die spät einsetzende grollende Musik nicht. Seltsam erscheinen die drei jungen Männer, sich begegnend in einer Art gehemmter oder ruppiger Kumpelhaftigkeit.

Mit einem ebenfalls dem Urban Dance entlehnten Vokabular treten Joseph Simon und Jonas Frey in „Infinite Games“ auf. Sie aber wenden es, wie der Titel schon nahelegt, ins Launisch-Spielerische. Ein Schild mit „Follow“ stellen sie auf und bewegen sich hintereinander durch den Raum, ein Schild mit „Circles“ und sie lassen alle Körperteile kreisen, mit denen man kreisen kann. Einer legt dem anderen Klebeband-Rollen hin, teils weit auseinander, dieser versucht, nur auf die kleinen Pappe-Teile zu treten.

Gefördert wurden beide Stücke im Rahmen von „Moving Futures“, einer Initiative von fünf niederländischen Produktionshäusern, die gemeinsam versuchen, die Kürzungen staatlicher Zuschüsse wenigstens zum Teil aufzufangen. Besonders junge Künstler, so erzählte es der Mainzer Tanzdirektor Honne Dohrmann in der Umbaupause, müssen in Holland inzwischen sehr um finanzielle Unterstützung kämpfen.

Dem Nachwuchs fehlt es indessen offensichtlich nicht an frischen, originellen, hübsch verrückten Ideen. Neue Formen und Stile des Populären, des Straßentanzes werden auf die Bühne geholt, werden verändert und bekommen einen oft eigenwilligen Unterton. Der Doppelabend im U17 des Mainzer Staatstheaters zeigte jedenfalls verblüffend nachdrücklich, wie ähnliche Bewegungen doch in unterschiedlichen Stimmungsnuancen schillern können. Und dass ein Breakdancer als zwar fitter, aber seltsamer Tropf auftreten kann.

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