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Sophie Rois „Spielen bedeutet Befreiung von der Arbeit“

Sophie Rois über Haltung auf der Bühne, unerfüllbare Serviceanforderungen und ihre 25 Jahre an der Berliner Volksbühne.

Sophie Rois
„Man hat ja einen Begriff von dem, was man da tut“, sagt Sophie Rois. Szene aus Polleschs „House for Sale“, 2014 an der Volksbühne. Foto: imago

Sophie Rois, was sagen Sie zu dem Abgang von Chris Dercon als Intendant der Berliner Volksbühne?
Gott sei Dank ist der Drops gelutscht, lassen Sie uns von was anderem sprechen.
 
Gut, widmen wir uns erst einmal einer schönen Nachricht: Sie haben Berlin in Angststarre versetzt, als Sie Ihr Volksbühnen-Engagement kündigten. Nun kann die Stadt aufatmen, Sie bleiben ihr erhalten und gehen ins Ensemble des Deutschen Theaters! 
Sie spaßen, sehr freundlich, danke. Diese Stadt könnte ganz bestimmt sehr gut auf mich verzichten, ich aber ungern auf diese Stadt. Ich will in Berlin Theater spielen.
 
Egal, an welchem Theater?
Natürlich nicht. Ich wollte überhaupt nicht mehr in ein Ensemble gehen, weder in Berlin noch anderswo. Ich fühlte mich nach meiner Kündigung recht wohl, es ist angenehm, wenn man seine Termine selber festlegen kann, ich fand auch, dass das der Würde meines Alters entspricht.
 
Und warum wurde es dann ausgerechnet das Deutsche Theater?
Der Intendant Ulrich Khuon und René Pollesch waren in der Planung für eine Zusammenarbeit und wollten mich dabei haben. Pollesch und ich am Deutschen, das ist nichts, was auf der Hand liegt. Die Aussicht machte mir sofort Vergnügen. Das Haus hat eine lange Tradition, es ist ein Klassiker, und es steht im Ostteil der Stadt. Es hat was angenehm Unaufgeregtes, und die Schauspieler pflegen eine hohe Spielkultur. Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, du gehst ans DT, hätte ich es nicht geglaubt.

Wie wurde aus dem Gastierangebot ein Ensemblevertrag?
Ulrich Khuon hat mir das Angebot gemacht, ins Ensemble zu kommen. Und ich habe gesagt, dass das keine gute Idee ist, weil ich für einen Intendanten eine ziemliche Zumutung bin und wahrscheinlich nicht bieten kann, was man von einem Ensemblemitglied erwartet.
 
Nämlich?
Ich kann keinen Service leisten, ich bin nicht einfach für alles einsetzbar. Dieser Pluralismus im Sinne von: Heute interessierst du dich bitte für dieses und morgen für jenes – das kann ich einfach nicht.

In der Volksbühne haben Sie sich doch auch für Schlingensief, Kresnik, Fritsch, Marthaler, Pollesch und Castorf zur Verfügung gestellt. Die prägten allesamt sehr unterschiedliche Theatersprachen.
Ich würde nicht sagen, dass ich mich zur Verfügung gestellt habe. Auch nicht die anderen Schauspieler. Der Wumms, den viele Abende hatten, der kommt nicht zustande, wenn Leute sich zur Verfügung stellen. Das war immer eine beiderseitige Entscheidung. Daraus entstanden oft Bühnenstatements, die etwas Unausweichliches hatten, die nicht geschmäcklerisch wegzudiskutieren waren. Ein paar Mal haben Dramaturgen versucht, sich etwas für mich auszudenken, das endete regelmäßig in der Katastrophe.
 
Ulrich Khuon ist Dramaturg.
Nobody is perfect. Also, wir haben beide die Karten auf den Tisch gelegt und gesagt, was wir einander bieten können und was nicht und haben das Geschäft mit Handschlag besiegelt. Er war extrem cool.
 
Was haben Sie denn vereinbart?
Dass ich mit René Pollesch im Herbst meinen Einstand feiern werde.

Ist das für Sie eine Ensemble-Mitgliedschaft? Oder ist es nicht doch eher so, dass Sie als Juwel der Polleschtruppe auftreten?
Ist das jetzt Schmeichelei oder eine knallharte Investigativfrage?! Weder bin ich ein Juwel, noch gibt es eine Polleschtruppe. Es spielen lauter Schauspieler aus dem Ensemble mit, Christine Groß kommt von außen. Lauter Leute, mit denen ich noch nie gespielt habe. Spitze! Es ist nicht so, dass ich in den letzten 25 Jahren immer mit denselben drei Leuten auf den verschiedenen Bühnen gestanden hätte. Das wäre auch okay, aber es war nicht so. Es gibt allerdings die kontinuierliche Zusammenarbeit mit einigen Schauspielern und Regisseuren – das ist aus gutem Grund so. Mit René Pollesch habe ich über die Jahre so etwas wie eine eigene Arbeitspraxis entwickelt, die möchte ich nicht missen. Derer bedienen wir uns auf jeder Bühne, bei jeder Arbeit, aber das ist nichts Hermetisches, das dehnt sich auf alle aus, die da mitmachen. Und die, die daran Freude haben, bleiben dabei. Daraus ergeben sich dann gewisse Verbindlichkeiten, weil man merkt, dass man einen Humor teilt, eine künstlerische Haltung.

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