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„Schon wieder Sonntag“ Die neue Nähe

Eine feine Komödie übers Altwerden im Frankfurter Fritz Rémond Theater.

Fritz-Remond-Theater
Wilson und Cooper: Katarina Schmidt, Joachim Bliese. Foto: Helmut Seuffert

Jede Lebensphase hat ihre Tücken. Dass Jugendliche in der Pubertät Selbstzweifel plagen, ist hinlänglich bekannt. Dass dies jedoch auch für Menschen gilt, die auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken, erstaunt immer noch. Die besonderen Sorgen dieser fortgeschrittenen Lebensphase hat der britische Dramatiker Bob Larley mit feinsinnigem Humor in seiner Komödie „Schon wieder Sonntag“, die jetzt am Fritz Rémond Theater im Frankfurter Zoo Premiere hatte, unter die Lupe genommen.

Im Zentrum steht Cooper, ein stattlich wirkender, älterer Herr. Nach dem Tod der Ehefrau hat sich Cooper in einem gediegenen Pflegeheim eingemietet, um niemandem im Alter zur Last zu fallen. Dort lebt er nun in gepflegtem Ambiente (Bühne: Steven Koop), seinen großzügig gestalteten Wohn- und Schlafraum verlässt er nahezu nie. Am ersten Sonntag im Monat kommen Tochter (Susanne Eisenkolb) und Schwiegersohn (Steffen Wilhelm) eher widerwillig als fürsorglich zu Besuch.

Wer sich angesichts dieser Rahmendaten an trübsinnige Bilder pragmatischer Fernsehnachrichten erinnert, erlebt hier das Gegenteil. Trotz statischer Umgebung und gleichförmigem Tagesablauf gelingt es Regisseur Peter Kühn und dem sehr gut aufeinander abgestimmten Ensemble, pralles Leben in diese Welt zu zaubern und Bilder vom Glück und Unglück des Älterwerdens feinsinnig zu gestalten.

Cooper, überzeugend realistisch von Joachim Bliese gegeben, ist das tragende Zentrum des Geschehens. Mit Selbstironie und authentisch wirkendem Selbstzweifel vermittelt er die vielschichtigen Stufen eines Prozesses, der zu jenen launischen Stimmungsumschwüngen führt, die eben nicht nur für Jugendliche, sondern auch für ältere Menschen typisch sind.

Dieses psychologische Hin und Her hat Peter Kühn in dieser Inszenierung sorgfältig austariert. Hinter der Fassade des bisweilen senil wirkenden Lusthahns, der mit sexuellen Anspielungen Krankenschwester Wilson (mit gekonnter Präsenz gegeben von Katarina Schmidt) und Reinigungskraft Mrs. Baker (Sabine Roller) aus dem Gleichgewicht zu bringen sucht, wird die eigentliche Sorge sichtbar: Immer wieder ist im Gespräch mit Altersheim-Freund Aylott (Pavel Fieber) vom kritischen Punkt die Rede, an dem Würde und geistige Präsenz verloren gehen könnten. Und genau das geschieht. Doch während der Kontrollverlust beschämt, wächst die Bereitschaft, aufrichtige emotionale Nähe anzunehmen. Vorsichtig berührt Tochter Julia beim Abschied den Vater, ein Sommerbesuch zu Hause scheint plötzlich nicht mehr ausgeschlossen.

Fritz Rémond Theater, Frankfurt: bis 25. März. www.fritzremond.de

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