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Schauspiel Frankfurt Weingläser und Lippenstifte fliegen

Als durchschnurrendes Vergnügen inszeniert Christian Brey in Frankfurt Woody Allens „Husbands and Wives“ .

„Husbands and Wives“ im Schauspiel Frankfurt
Der Stadtneurotiker, Matthias Redlhammer, und die Angespannte, Friederike Ott. Foto: Felix Grünschloss

Die Komödien Woody Allens, diese ist von 1992, bewegen sich immer mitten unter jenen, die, wie der Regisseur selbst, den Blick nicht auf die Welt da draußen richten müssen, wenn sie nicht wollen. Allenfalls das Private kann hier bei großzügiger Auslegung ein bisschen politisch sein. In den Frankfurter Kammerspielen würde man die Entstehungszeit von „Husbands and Wives“ ungefähr schätzen können, wenn bei Michael ein Festnetztelefon stünde, zu dem Sally greifen könnte, um mit Jack zu streiten. 

In Christian Breys ein vages, sehr vages Heute aufrufender Inszenierung kreischt Sally aber selbstverständlich in ihr Smartphone. In grobe Unordnung gerät bei dem US-amerikanischen Filmregisseur stets der Gefühlshaushalt der – wohlhabenden, weißen – Figuren, nie irgendein greifbarer Haushalt. Allens prägnant formulierter, ziemlich alterslos erscheinender Witz ist der eines schlagfertigen Boulevardautors. Dieser Witz funktioniert so gut, funktioniert auch auf der Bühne, weil auch der durchschnittliche Frankfurter Theatergänger solche Leute mindestens kennt – wenn er nicht selbst einer von ihnen ist. 

Anette Hachmanns Ausstattung woodyallenisiert nur bei den Kostümen: Uniprofessor Gabe Roth trägt die unvermeidliche rehbraune Cordhose, seine Frau Judy zartes Blüschen und fließenden Rock, darin könnte auch Mia Farrow sofort auftreten („Husbands and Wives“ war der letzte gemeinsame Film des Paares Allen-Farrow). Das Bühnenbild aber betont die Allgemeingültigkeit und den Spielcharakter: Bunte Plexiglaskuben und von der Decke hängende Folienquadrate sowie ein Quadrat aus den Buchstaben LOVE umringen ein abgestuftes weißes Podium. Von dessen hinterem Rand können die Schauspieler juxmäßig ins Nichts kippen – und tun es verschiedentlich. Christian Breys Inszenierung versucht sich des Öfteren an körperlicher Überkandideltheit, das unterscheidet sie dann doch von einem Allen-Film. 

Jack und Sally kommen also zu Gabe und Judy, ihren besten Freunden, man will gemeinsam Essen gehen. Vorher aber: „Jack und ich haben uns getrennt“, sagt Sally etwas unvermittelt. Judy ist sogleich mit den Nerven fertig und findet, ihre Freunde seien nicht angemessen aufgeregt – sowohl Friederike Ott, Judy, als auch Anna Kubin, Sally, zeigen aber ohnehin Frauen, die tendenziell immer mit den Nerven fertig sind, wenigstens aber dauerüberspannt. Im Folgenden verkuppelt Judy ihre Freundin Sally mit ihrem Kollegen Michael (Benjamin Grüter kommt dem Bärenhaften Liam Neesons nahe), den sie doch selber liebt. Dann wird Michael wieder frei – jetzt aber für sie! –, als Jack genug hat von seiner ständig über Astrologie plappernden Yoga-Lehrerin Sam (Christina Thiessen haut beherzt auf die Dummchen-Soße) und zurückkehrt zu Sally, die es höchst halbherzig mit Michael versucht hat. Mit dem etwas klischeehaft männlichen Jack, Sebastian Kuschmann, ist es vielleicht einfach bequemer für sie. Für sie beide. 

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