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Schauspiel Frankfurt Singt ein Freudenmedley!

Studierende der Musikhochschule fragen sich in der Bar des Frankfurter Schauspiels, wie das bloß geht, „8bar Leben“.

Bar Frankfurter Schauspiel
„Qualität statt Quote“? Man wird als junger Mensch mal träumen dürfen. Foto: Jessica Schäfer

In prächtigen Kostümen stehen sie hinter der Glasscheibe und warten auf ihren Auftritt. Micky Maus, Biene Maja – das typische Vergnügungspark-Personal. Sie warten allerdings nicht am einschlägigen Ort bei Paris oder in Florida. Jetzt stehen sie im Foyer des Schauspiels Frankfurt, das Eurozeichen leuchtet blau-gelb im Hintergrund.

Solch ein Maskottchen zu geben scheint verlockend. Wie sehr Schein und Realität jedoch auseinanderfallen, haben acht Studenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst am Schauspiel Frankfurt mit zynischem Esprit erkennbar gemacht. Basis ihres Liederabends ist eine Stellenanzeige des Europa-Parks Rust. Gesucht werden darin Charakterdarsteller.

Was das Jobangebot für sie bedeutet, erläutern die Studierenden in einer umfangreichen Liedfolge, die unter dem Motto „8bar Leben. Lieder für eine bessere Verfassung“ in der Regie von Daniela Kranz zusammengeführt worden ist. Kaum hat sich die Glastür der Panoramabar am Schauspiel geöffnet, mischen sich acht kostümierte Maskottchen zwischen die entspannt wartenden Bar-Besucher. Am Flügel mitten im Raum spielt Günter Lehr, verantwortlich für musikalische Leitung und Arrangements, die ersten Takte zu Georg Danzers „Freiheit“-Lied. Auf jedem Tisch liegt ein Blatt mit den Titeln der 29 Lieder, die in Auszügen an diesem Abend eingespielt werden.

Das Ensemble gibt einen „Freudenmedley“. Götterfunken sollen sprühen, „Emotionen des Glücks“ gehören im Vergnügungspark zum Jobprofil. „Glück macht einsam“ heißt es jedoch im anschließend angespielten Song von The Bianca Story, den Nicolas Matthews im Micky-Maus-Kostüm souverän präsentiert. „Als der Reichtum kam, verlor das Reich an Charme“. In die lässig entspannte Fröhlichkeit zieht leise Widerstand ein. „Heute ist nicht mein Tag“, zitiert Christina Thiessen im weißen Schafskostüm eine Liedpassage von Christiane Weber. Den Schafskopf hält sie in der Hand und scheint erste Zweifel am ausgelassenen Disney-Szenario zu spüren.

Im Maskottchen-Kostüm (Kostüme: Joanna Paszkiewicz und Martina Suchanek) ist der „Charakterdarsteller“ als Mensch unsichtbar. Das trotzdem von ihm eingeforderte Dauerlächeln hinter der Maske soll den Teamgeist stärken und gute Laune verströmen. Entsprechend ausgelassen saust ein Zwerg auf Rollschuhen um die Sitzgruppen herum. „Qualität statt Quote“ fordert sein Lied. Wie utopisch diese Hoffnungen sind, machen die Bankentürme bewusst, deren dunkle Silhouetten durch die Glasscheiben hindurch sichtbar sind. Die Dominanz des Marktes ist unverkennbar präsent. In der Außenwelt herrschen andere Gesetze. Davon sprechen auch die ausgewählten Lieder. Mächtige ziehen sich, so der Gesang des Ensembles, in die „Fickt-Euch-Allee“ (Quelle: Großstadtgeflüster) zurück, Beschwerden seien an die Assistenten zu richten.

Für ihren Liederabend, der regulär zum Lehrplan gehört, haben sich die Studierenden einen idealen Ort gewählt. Außen und Innen rücken hier eng zusammen, das reale Leben ist den Pailletten und Kostümen desillusionierend nah.

 

Schauspiel Frankfurt : 4., 20. Februar. www.schauspielfrankfurt.de

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