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Schauspiel Frankfurt Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen

Die Spielzeit im Schauspiel Frankfurt eröffnet mit dem „Haarigen Affen“ und „Räuber. Schuldenreich“.

Nils Kreutinger und André Meyer als Kong und Yank
Das Ende vom Konzert: Der Gorilla bringt den Menschen um. Nils Kreutinger und André Meyer als Kong und Yank. Foto: Arno Declair

Klein und leise: Zwischen den Szenen manchmal ein wenig Musik, zum Beispiel Abbas „Money, Money, Money“ in einer melancholischen Gospel-Version. Selbst der schwarze Schotterboden (Bühne: Falko Herold) erweist sich im Gebrauch als gummiweich. Der Kühlschrank, der hier herausgefahren werden kann, ist zwar praktisch leer, trotzdem das Behagen – und bei Ankunft der hungrigen Söhne: Unbehagen – des Ehepaars Otto und Linde. 

Das virtuose Spiel, dem es gelingt, sich vom Chargieren fern zu halten, bei fast allem eine eigenartige, präzise Untertreibung walten zu lassen, wird von Peter Schröder und Heidi Ecks furios angeführt. Ihnen beim Reden und beim Sex zuzuschauen, ist eine rechte Freude, auch hat Moana Stemberger die Alten nicht als Karikaturen ausgestattet, aber doch gepflegt unschön. Rollstuhlfahrerin Edith von nebenan gehört noch dazu, Anke Sevenich, die sich in den Geldboten Sepp, Matthias Redlhammer, verliebt hat. Vielleicht kostet er sein Blödmann-Sein besonders aus, aber auch er stoppt ab, wo er zur Knallcharge würde. Stattdessen ist er hinter dem dummen Grinsen unangenehm. Harte, leere Blicke treffen Ediths Tochter Petra, auch wenn er Edith selbst tatsächlich zu mögen scheint. Das ist alles, Palmetshofer will es so, viel mehr fantastisch als psychologisch, aber es lässt Luft zum Schauen und Hören und Denken, indem Bösch nicht noch einen draufsetzt, sondern auf einer kleinen Flamme des umso eindrucksvolleren Irrsinns spielen lässt. 

Das Vorgehen der Jugend kommt einem natürlich rabiat vor. Isaak Dentler (als Franz) und Fridolin Sandmeyer (als Karl) widerstehen aber aufs Schönste einem Quentin-Tarantino-Auftritt, auch wenn es gewissermaßen trotzdem einer ist, aber sie halten sich auf dem Grat zwischen Kühle und Irrwitz. Sarah Grunert als Petra geht mehr aus sich heraus, eine Träumerin, eine zu rettende Prinzessin.

Das Erklärungslose, mit dem Palmetshofer und Bösch uns und ihre Figuren in der Gegend herumstehen lassen, ist umso schauriger.

Seltsames Wochenende, für einen Saisonauftakt geradezu gefährlich unfertig der erste Abend, ermutigend – nicht für das Leben, wirklich nicht, aber für das Theatergehen – der zweite. Wer jetzt allerdings folgert, Lautstärke und Opulenz seien nie eine Lösung, der kann gespannt Ulrich Rasches „Persern“ zum Monatsende entgegenblicken, die ja schon in Salzburg zu sehen waren und dort Schauspieler und Text intensiv in Szene setzte. Ohrenstöpsel wurden aber ebenfalls verteilt, und mit gutem Grund. 

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