Lade Inhalte...

Schauspiel Frankfurt Anständig bleiben, Elstern retten

„Der kleine dicke Ritter“ lässt sich im Schauspiel Frankfurt als Weihnachtszeit-Stück nicht lumpen.

Schauspiel
Und wer ist der Brave? Der kleine dicke Ritter (blond!) sieht sich bedroht von Schwarzherz (hinten) und Bulligrob. Foto: Jessica Schäfer

Kleine Jungs können im diesjährigen Vorweihnachtszeit-Stück des Frankfurter Schauspiels ihren Spaß haben und dennoch lernen: es lohnt sich, anständig und tierlieb zu sein. Kleine Mädchen können das auch, allerdings müssen sie sich durch die zwei Wörtlein „und Ritterinnen“ angesprochen fühlen, zu sehen bekommen sie sie nicht. Dafür eine böse Hexe, die immerhin superschlau ist, so schlau, dass allenfalls die (weibliche!) Elster noch rankommt. Ritter Oblong von Oblong ist dagegen zwar ein Netter, aber die hellste Birne im Königreich ist er auch nicht. Allerdings hat er es irgendwie geschafft, den kleinen Drachen Bonzo zu zähmen (und eben nicht abzumurksen, wie es seine weniger netten Kollegen in Sachen Drachen halten), was sich später als wichtig erweisen wird für den guten Ausgang der Geschichte.

Denn natürlich geht „Der kleine dicke Ritter“ (oh, wir haben vergessen zu erwähnen, dass Oblong von Oblong auch optisch nicht so ganz dem Ritter-Typus entspricht) gut aus.

Nach einem Kinderbuch des Briten Robert Bolt, der unter anderem das Drehbuch für „Doktor Schiwago“ schrieb, hat Fabian Gerhardt die Geschichte vom kleinen dicken Ritter auf die große Schauspielhaus-Bühne gebracht. Die braucht es auch für das Dorf plus Burgberg von Christian Wiehle. Und die Flügelspannweite der Elster (Kostüme: Laura Kirst). Und wenn Edelknecht Schwarzherz, der tumbe Handlanger des bösen Barons Bulligrob, mit seinem Riesenholzhammer ausholt.

Es ist also so, dass Oblong, Christoph Pütthoff, seinem Herzog ein bisschen auf die Nerven geht mit seiner Anregung, dass sie alle gleich wieder zu einer ehrenvollen Mission ausziehen sollten. Aber da gibt es doch die Bulligrob-Insel, wo dieser besonders fiese Drache ... wo außerdem ein Baron gern auf die Jagd geht und „kleine süße zitternde Häschen“ schießt. Schwupp, schon ist Oblong zum „königlich fahrenden Ritter“ ernannt und bricht auf. Und wird bald auf Bulligrob eine Liste des gerechtigkeitsmäßig bitter Nötigen abarbeiten. Mit Hilfe der sogleich mal vor dem schießwütigen Baron geretteten Elster. „Stehlen ist falsch“, sagt aber erstmal der korrekte Ritter, der später tatsächlich fragen muss: „Wie geht sich gehen lassen?“

Eigentlich ist Oblong also brav und ein Langweiler. Aber wie in jedem Jahr spart das Schauspiel nicht an Pomp und Umständen, nicht an Hau-auf-die-Sahne-Spaß, getarnt als „Familienstück ab sechs Jahren“. Ab sechs Jahren traf bei der Premiere zahlreich zu, doch wusste man trotzdem schon, was man dem Ereignis und dem netten bauchigen Ritter schuldig ist: „Hinter dir!“ rief man oder „Ja!“ oder „Neeeiiin!“ (auf die Frage: „Wollt ihr denn keinen Kampf sehen?“ Denn einerseits wollte man, na klar. Andererseits konnte ja der kleine dicke Oblong nur vom brutalen Schwarzherz platt gemacht werden. Oder etwa nicht?)

Furchterregend stark & doof

André Meyer ist nämlich ein furchterregend starker und doofer Schwarzherz. Laura Teiwes eine furchterregend schlaue Hexe Dr. Gwendolyn Beelzedern Moloch. Wolfgang Vogler ein furchterregend skrupelloser Baron Bulligrob. Zwei Puppenspieler (Nathalie Wendt, Casper Bankert) sorgen für eine kleine Bauernschar. Andreas Gießer hat den raren Beruf eines Eiermalers. Im Drachenkostüm steckt Annika Grüschow und kann am Ende so die ganze Chose retten.

 

Schauspiel Frankfurt: viele Termine bis 25. Dez.. www.schauspielfrankfurt.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen