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Ring am Rhein Ein Schlapphut für Wotan

Große Stimmen, kleine Szenen in der Düsseldorfer „Walküre“.

In der Düsseldorfer ?Walküre?: Corby Welch als Siegmund, Elisabet Strid als Sieglinde. Foto: Hans Jörg Michel

Szenisch nimmt Dietrich Hilsdorfs Düsseldorf-Duisburger Ring für die Oper am Rhein in der „Walküre“ eine Wendung ins nun doch etwas lieblos Hingehuschte. Musikalisch wartet der zweite Teil von Richard Wagners Tetralogie mit einem großartigen Sängerensemble auf. Simon Neal, auch dem Frankfurter Publikum bekannt (etwa als markanter Förster aus dem „Schlauen Füchslein“), bietet einen großformatigen, dabei stimmschönen Wotan, der auch die Drohung gegen Siegfried nach Stunden des verschärften Singens elegant modulieren und nuancieren kann. Konditionell der Brünnhilde Linda Watsons nicht nachzustehen, ist eine Leistung für sich.

 

Deren höchst dramatischer, dabei diszipliniert austarierter Sopran findet ein mildes, quasi zivileres Gegenstück in der imposanten Sieglinde der Schwedin Elisabet Strid. Sie und Corby Welch als dunkelgrundierter, aber in den Höhen sicherer, geradezu lässiger Siegmund (wenn auch hörbar ein Siegmund aus Amerika) können im ersten Akt so unbeschwert singen, wie es selten zu hören ist. Das Kraftmeierische, das im Ring ab der „Walküre“ fast zwangsläufig ins Spiel kommt, hier wird es zurückgeführt in konzentriertes Musizieren. Axel Kobers zurückhaltendes, sehr gemessenes Dirigat mag dabei helfen, einerseits, andererseits scheint gerade im 2. Akt und gerade beim überwältigenden Auftritt der Walküre beim todgeweihten Siegmund die Zeit regelrecht stillzustehen.

Da sich zugleich auch in dieser Szene nicht viel Einfallsreichtum ausbreitet, wird es länglich, wohingegen der berüchtigte Zank mit Fricka (stark und vehement: Renée Morloc) eine Auffrischung erfährt: Dass die Protagonisten des 1. Aktes, Sieglinde, Siegmund und Hunding (auch er keineswegs beiläufig besetzt mit dem sonoren Sami Luttinen), dabei sitzen, während über ihr Schicksal verhandelt wird, hat Pfiff, aber nur vorerst. Nachher müssen ja dennoch alle überrascht tun und muss Siegmund spielen, als hätte er Brünnhilde noch gar nie gesehen. Wie man eine in Düsseldorf bereits deutlich schwangere Sieglinde (Einblendung: „sechs Monate später“) damit überraschen soll, dass ihr ein Wälsung im Schoß wächst, bleibt ebenfalls offen.

Insgesamt hangelt sich die „Walküre“ nach dem gründerzeitlich orientierten „Rheingold“ in Dieter Richters düsterem Vielzweckbühnenbild von Moment zu Moment. Hubschrauber-Gedröhn und ein Propeller, der sichtbar wird, weil sich die Wände langsam heben, versprechen am Ende des 2. Aktes eine wilde Verfolgungsjagd. Stattdessen liegt die Maschine im 3. zum gemächlichen Walkürenritt bereits in Trümmern, die Mannschaft wird nach Walhall verbracht. Dort trägt man Abendkleider (Kostüme: Renate Schmitzer) und weiß wenig mit sich anzufangen.

Seinen berühmten Schlapphut als künftiger „Wanderer“ nimmt sich Wotan irgendwie bedeutend vom nun doch in Walhall anwesenden Hunding. Aber was will Hilsdorf damit sagen? Wir starren auf den 7. April.

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