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Oper Frankfurt „Bei Männern muss man manchmal deutlicher sprechen“

Die Sopranistin Marlis Petersen spricht im FR-Interview über das Normalsein auf der Bühne, über Grenzen und Abgründe, den Regietheater-Tango und ihr Rollendebüt als „Lustige Witwe“ an der Oper Frankfurt.

Petersen
„Ich komme als weißes Blatt Papier auf die Proben“, sagt Marlis Petersen, hier auf der Bühne der Frankfurter Oper. Foto: Renate Hoyer

Frau Petersen, es ist schon legendär, dass Sie erst als etwa 15-Jährige zum ersten Mal eine Oper gehört haben, „Rigoletto“ in Tuttlingen. War das das große Aha-Erlebnis?
Nicht die Spur. Man muss natürlich dazu sagen, dass ich seit dem siebten Lebensjahr Klavierunterricht hatte. Mir ist viel Musik begegnet, aber eben immer nur Klaviermusik. Bei uns zu Hause lief wenig Klassik. Und dann kam also die Pforzheimer Oper zu Gast, und es hieß: Da gehen wir mal rein. Ich bin nach der Hälfte eingeschlafen. Die Groschen fielen erst Jahre später, als ich bei Sylvia Geszty studiert habe.

Vorher haben Sie Schulmusik studiert.
Obwohl mir im Grunde klar war, dass ich nicht Lehrerin werden wollte. Ich habe das eher für meine Eltern getan.

Sie sind als Stimme offenbar eine große Naturbegabung, haben anspruchsvolle Solopartien noch vor Ihrer Gesangsausbildung bekommen.
Ja, da staune ich rückblickend auch drüber.

Wie hat sich das mit der Technik vertragen, als Sie mit dem Gesangsunterricht anfingen?
Da bin ich erstmal richtig eingebrochen. Die Naturstimme hatte Koloratur und Höhe, und plötzlich wurde mir beigebracht, wie das eigentlich zu sein hatte. Da ging gar nichts mehr. Ich habe meine Höhe vollständig verloren, konnte nur noch eine Oktave singen, und die auch nur laut und schräg. Das war noch im Schulmusikstudium. Wir hatten aber einen großartigen Coach, der hat mich dann in einen Gesangskurs von Frau Geszty geschickt. Diese Frau hat in zwei Wochen alles in mir aufgemacht. Ich hatte plötzlich ein hohes F, konnte die Königin der Nacht singen. Das war eine Offenbarung für mich.

Was konnte sie, was die anderen nicht konnten?
Sie hatte eine Technik, die mir liegt, weil sie kontinuierlich mit einer rhythmischen Stütze gearbeitet hat. Ich konnte auf einmal Dinge, von denen ich vorher gar nichts ahnte. Und durch sie habe ich ihr ganzes Repertoire kennengelernt, das auch genau meins war. Wir hatten einfach eine gute Chemie.

Wie hören Sie Oper heute?
Natürlich ist es für mich vor allem das Bühnenerlebnis. Aber ich gehe auch so in die Oper, vor allem in Stücke, die ich noch nicht kenne, oder wenn mir wertvolle Kollegen singen oder inszenieren. Mit diesen Menschen lebt man, da will man auch wissen, was sie machen.

Und was legen Sie privat auf?
Keine Oper. Wenn ich Musik höre, dann was Gefälliges, zum Beispiel, was gerade in den Charts läuft.

Aha.
Ja, ich würde mal so sagen: Der Beruf ist sehr fordernd. In einer Probenphase wie jetzt sind das sieben Stunden Vollkonzentration. Die Zwischenräume müssen dann leicht sein. Und wenn ich melancholisch bin, das gibt es ja auch mal, dann lege ich mir Barockmusik auf, Gitarre, Theorbe, etwas in der Richtung. Das erdet mich irgendwie.

Es gibt zwei Gegensatzpaare, an die ich bei Ihnen denken muss. Das eine: Sie wirken auf der Bühne ungewöhnlich natürlich. Dennoch wird Natürlichkeit auf einer Opernbühne doch in fast jeder Hinsicht künstlich erzeugt. Wie kommen Sie mit diesem Kontrast hin?
Ich habe das eigentlich nie so erlebt. Das Singen war für mich immer in erster Linie große Freude, dazu machte es mir wahnsinnigen Spaß, hineinzuschlüpfen in die verschiedenen Rollen. Auch dafür war ich offenbar begabt. Ich hatte nie das Gefühl, dabei nicht normal sein zu können.

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